19.12.2019

Briefe



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ID: 10001 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 17.07.1870
 

Liebste Rosalie,
wie froh war ich, als ich gestern Abend eben von Kreuznach zurückgekehrt Ihre Nachricht bekam – hoffentlich kommt morgen die Bestätigung. – Die gute Elise wird heute meine Schrift kaum
lesen können, denn ich bin furchtbar erregt über Alles, was wir jetzt erleben müssen. Die Verwirrung auf den Bahnhöfen gestern war unglaublich, wie eine Völkerflucht ist das; Alles reist fort nach Haus!
Ich war auch so froh wie ich wieder hier war. Hätten wir das Haus nicht, so flüchtete ich, jedoch so müssen wir bleiben und dieses schützen so viel wir können. Nur wenn die Algerier kommen, dann lassen wir Alles im Stich, denn diese sollen wie die wilden Thiere sein. Denken Sie mein armer Junge ist nun auch einge- zogen, von morgen an wird er 4 – 5 Wochen einexerzirt und, ist es dann noch so ernst, so muß er ausrücken. Doch man darf in solcher Zeit nicht an sein Kind denken, wo ganz Deutschland sich um seine Söhne ängstigt …

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Leser, Rosalie (938)
  Empfangsort:
 



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