19.12.2019

Briefe



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ID: 10048 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 27.09.1870
 

Baden d. 27 Septbr. 1870.

Liebe geehrte Frau,

so eben las ich die Trauer-Kunde von dem Ableben Ihres theueren Vaters, und es drängt mich Ihnen ein Wort innigster Theilnahme zu sagen. Wie so hart mag Sie dieser Verlust getroffen, welche Lücke in Ihren schönen, beglückten Familienkreis gebracht haben! Stand ich auch in seltenem Verkehre mit dem Verblichenen, so war es mir doch jedes Mal eine Freude, wenn ich ihn sah, und stets wird nur das Wohlwollen, welches er mir schon von meiner Kindheit an zeigte, in dankbarer Erinnerung bleiben. Wie oft hat sein theilnehmder Blick mich, wenn ich im Gewandhaus spielte begeistert! ach, ich kann es mir gar nicht denken, daß ich ihn nicht mehr an der alten Stelle sehen soll, wo er noch immer so rüstig, recht ein Musiker mit Leib und Seele, stand! recht traurig ist mir das, und wie schmerzlich mag Ihre Trauer um den Theueren sein! – Im nächsten Winter hoffe ich Sie endlich `mal wieder zu sehen und recht Vieles von dem lieben Kleinen Julius zu hören. Es geht Ihnen Allen doch wohl? Grüßen Sie den verehrten Mann herzlich und seyen Sie, liebe Frau Röntgen, stets versichert der aufrichtigsten Hochachtung
Ihrer Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Lichtental
  Empfänger: Röntgen, Pauline (15195)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
775f.
 



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