19.12.2019

Briefe



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ID: 10069 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 20.11.1870
 

Berlin d. 20 Nov. 1870. 3 Köthner Strasse Parterre
Liebe, verehrte Frau,
ich hätte Ihnen schon früher geschrieben, wäre es mir möglich gewesen Ihnen etwas Bestimmtes wegen der Concert-Arrangements mitzutheilen. Es war ein langes Hin und Her, sowohl mit meinem Bruder, als auch hier mit unseren Concerten, wofür sich durchaus kein passender Tag finden wollte. Nun ist meines Bruders Concert für den 5 Dec. angesetzt, Unseres hier am 1ten Dec. und Eines des Kapellmeister Reichardt hier (für die Invaliden) am 7ten Dec. . Letzteres habe ich jedoch mit dem Vorbehalt zugesagt, daß nicht etwa Sie auf mich reflectiren wegen des Gustav-Adolph-Concert. Nun geht meine Anfrage an Sie, liebe Frau Hübner, ob Sie noch den Plan zu einem Solchen haben? ich würde mich Ihnen bis zum 9ten (inclusive) zur Verfügung stellen können, jedoch nur unter der Bedingung zusagen können, daß vor meines Bruders Concert Niemand davon erführe. Wir würden also die Ankündigung erst am 7ten machen können, dann aber doch drei Tage noch ankündigen können. Den 10ten müßte ich hierher zurück kehren, dann noch Hrn. Reichardt spielen am 11 oder 12ten, den 13ten nach Hamburg und Bremen.
Nun müßte aber die sonstige Mitwirkung von Dresden bewerkstelligt werden, da Frau Joachim krank ist (sie hat ein schlimmes Wochenbett gehabt), und so könnte ich Ihnen hierin nicht beistehen. Bitte, überlegen Sie die Sache, und lassen mich aber so bald als möglich Ihre Entscheidung wissen, da der H. Reichardt auf meine feste Zusage dringt.
Nun ist es auch so spät geworden mit unserem nochmaligem herzlichem Danke wieder für Ihre liebevolle Aufnahme! – Meine Eltern8 baten mich dringend da ich diesmal allein komme bei ihnen zu wohnen, aber, ich bliebe doch lieber (im Vertrauen gesagt) bei Ihnen, wenn Sie mich aufnehmen können und mögen. Ich würde dann einfach meinen Eltern sagen, daß es bei ihnen doch so eng ist, und ich ihnen die großen Umstände nicht machen möchte.
Tausend herzliche Grüße Ihnen Allen von uns, und die Bitte um baldige Nachricht von Ihrer dankbar ergeb Clara Schumann.
P. S. Mir fällt noch ein: wenn Rietz sich entschlösse das von Ihnen zu gebende Concert zu dirigieren, so daß Sie die Kapelle nehmen könnten (ich glaube diese kostet nur 20 rh in die Wittwenkasse) so wäre das wohl anziehend für’s Publikum, indem ich in Dresden seit vielen Jahren nicht mit Orchester gespielt, und dann ein Beethoven’sches Concert spielen könnte. Zu dem Zwecke bekämen Sie wohl auch eine Theatersängerin!
Noch eine Bitte an Ihren lieben Mann. Marie gab am 5ten laut beifolgenden Scheines eine Depesche (in der Waisenhausstraße) nach London auf, bezahlte dafür 1 rh 26 oder 28 sgr und Diese ist in London nie eingetroffen. Könnte sich wohl Ihr lieber Mann ’mal erkundigen wie das zugeht? ich erbitte mir aber den Schein zurück als Beweis für meine Freunde.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Hübner, Julius und Pauline (2459)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
591ff.
 



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