19.12.2019

Briefe



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ID: 10157 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 29.12.1872
 

Berlin, den 29. Dezember 1872

Liebe Frau Ebner!

Noch habe ich Ihnen nicht gedankt für all das Liebe, das Sie mir angedeihen liessen. Glauben Sie nicht, dass es Nachlässigkeit war, ich habe jeden Tag daran gedacht, wollte aber nicht dictieren, und hatte doch so viel Schmerzen in den Händen, dass ich vor dem Konzert hier nicht schreiben durfte. Also nochmals herzlichsten Dank Ihnen Allen! Möchte das neue Jahr Ihnen vor allem Gesundheit bringen, wie von Herzen wünschte ich Ihnen dies! – Von Marie hörte ich, dass sie nun wieder mit Mann und Kindern verreist sind! Was hat wohl der Kleine zu dem Schreibtisch gesagt? Was haben Sie schliesslich noch für Brahms gewählt? Für mich waren diese Tage ganz unbeschreiblich schwer, es kam die Traurigkeit mit ganzer Macht über mich! An solchen Festtagen trägt man doppelt schwer Alles, und es war wahrlich recht viel, was mir dies Jahr Schweres brachte!!!
Leben Sie wohl – erfreuen Sie mal mit einer Nachricht über sich Ihre von Herzen dankbar ergebene
Clara Schumann.

P. S. Ihrem Mann beste Grüsse und ganz besonders herzliche auch noch Ihrer lieben Schwester.
Bitte, grüssen Sie auch Brahms – ich schreibe ihm nächstens. Wir machen in unserem 23? Konzert am 4. Jan. seine Liebeslieder.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Ebner, Ottilie (2218)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 4
Briefwechsel Clara Schumanns mit Maria und Richard Fellinger, Anna Franz geb. Wittgenstein, Max Kalbeck und anderen Korrespondenten in Österreich / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Anselm Eber und Thomas Synofzik / Dohr / Erschienen: 2020
ISBN: 978-3-86846-015-5
120f.
 



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