15.07.2019

Briefe



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ID: 10181 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 10.05.1872
 

Düsseldorf d. 10 Mai 1872.
Liebe, verehrte Freundin
nun komme ich doch erst jetzt dazu Ihren lieben Brief, sowie auch den vom Januar, zu beantworten, wenigstens dafür zu danken. So lange ich in England war lag Ihr erster Brief immer vor mir im Schreibtisch, weil ich ihn immer beantworten wollte, aber täglich stellten sich Hindernisse in den Weg. Erst hier, wo ich seit 8 Tagen bin, wird es mir möglich einige Briefschulden zu erledigen. Jetzt rückt nun der Sommer heran, und ich wüßte zu gern, wo Sie hingehen, oder ob Sie sich nicht einrichten könnten, auf Rigi-Scheideck zu kommen, wohin zu gehen ich mich entschlossen habe. Moritz ist mir dies Jahr zu weit und zu kalt. Der Arzt sagt mir aber, ich solle nur überhaupt dorthin gehen (Scheideck nämlich) wenn ich sicher wäre angenehme Gesellschaft zu finden. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie lieb mir die Ihre wäre. In England ist es mir sehr gut gegangen, nur war ich die letzten 2 Monate (aus natürlichen Gründen) recht unwohl, muß jetzt auch deshalb Kissinger Wasser trinken. Das wird nun eine schwere Zeit geben, und, wer weiß, wie lange dauern! – Herzlich danke ich Ihnen für Ihre Theilnahme meiner Mutter Tod betreffend. Gewiß hat es mich auf das Schmerzlichste berührt, zugleich aber in ganz eigenthümlicher Weise, die ich Ihnen ’mal in traulicher Runde bekenne. Marie ist nun seit drei Tagen mit Eugenie in Baden, um dort das Häuschen etwas gemüthlich zu machen, ich reise Montag nach, und wollen Sie mir Nachrichten, auf die ich hoffe und zwar zu meinen Gunsten, dorthin senden. Sie kommen doch auch jedenfalls nach Baden, und wann? Noch möchte ich meinen Felix entschuldigen, daß er Ihnen nicht Adieu gesagt, seine Abreise kam aber so schnell, dazu Krankheit und Tod der Mutter zu selber Zeit, daß er kaum das Nöthigste zur Reise besorgen konnte. Wie überhaupt Alles kam, erzähle ich Ihnen mündlich. Er studiert nun schon, und scheint sich schneller in das selbständige Leben zu finden als ich es hoffte.
Herzlichste Grüße, meine lieben Freunde, Ihnen Beiden
von Ihrer
getreu und warm
ergeb
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Lazarus, Sarah (918)
  Empfangsort:
  SBE: II.18, S. 228f.
 



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