15.07.2019

Briefe



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ID: 10188 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 28.05.1873
 

Baden d. 28 Mai 1873.
Liebe Frau Lazarus
ich muß Ihnen mit einigen Worten sagen, daß ich ganz erschüttert bin von der Nachricht, die Sie mir gegeben! das liebe, kluge Kind, das Ihrer Aller Freude war! ach, welch grausames Geschick! sagen Sie, bitte, der armen Mutter das Innigste von mir, auch dem Vater und Sie Alle seyen Sie meiner wärmsten Theilnahme versichert. Und auch den einzigen Bruder |2| begruben Sie – wie hart, nachdem Derselbe noch zu Ihnen gekommen, um noch mit Ihnen zu leben! Aber das Kind, das Einzige, daß [sic] der Eltern schönste Hoffnung war, ihnen tägliche Lebensfreude spendete, – ach, man kann es gar nicht fassen, warum?
Ich bin tief betrübt, aber auch, ich kann es Ihnen nicht verhelen [sic], tief verletzt, daß Sie mir nichts von all Ihrem Kummer mitgetheilt, |3| daß ich es nur so zufällig erfahren! es ist mir das ein Beweis, wie wenig Sie von meiner Theilnahme überzeugt waren – wodurch ich Solches erwirkt weiß ich nicht! es rührt mich solch Geschick wenn ich es von mir Fremden erfahre, und nun trifft es mir liebe Freunde, und Diese theilen es mir nicht ’mal mit! das ist doch betrübend.
Ich sage Ihnen nur noch herzliche, aber traurige Grüße.
Ihre
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Lazarus, Sarah (918)
  Empfangsort:
  SBE: II.18, S. 248f.
 



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