15.07.2019

Briefe



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ID: 10446 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 29.01.1873
 

Düsseldorf d. 29 Jan. 1873.
Liebe, geehrte Frau Berg,
ich habe mich nun entschlossen das Logie zu nehmen, und bitte Sie nun, den Wirth davon zu benachrichtigen, und ihm zu sagen, daß er mir den Contract zur Unterschrift nach Bruxelles schickt. Ich möchte auf 3 Jahr – ob er nicht zu bewegen wäre uns für 1100 rh Miethe doch 3 Jahr Contract zu machen? dann soll er ja bemerken daß er die Unter-Vermiethung gestattet (natürlich wenn ihm die Miether genehm sind). Er meinte neulich auch, wir würden leicht Jemand finden, der die Wohnung vom April an auf 4–5 Monate miethete, dagegen darf er natürlich auch nichts haben, denn es ist wahrhaftig kein Spaß, so viel Geld für Nichts auszugeben. Ich bitte ihn auch zu bemerken, wie es mit dem Gas ist, was zum Hause gehört, was wir zu zahlen haben? ob der Wirth sich vielleicht dazu verstünde eine kleine Gasflamme auf die kleine Treppe nach den oberen Zimmern legen zu lassen? natürlich zahlten wir das Gas was wir dadurch verbrauchten; aber es bleibt dann auch für andere Bewohner. Sollten Sie etwas hören von Freunden die vielleicht solch eine Wohnung für 4–5 Monate nähmen, so denken Sie bitte daran; ich ließe sie gern für weniger, als sie mich kostet, um nur nicht Alles zu verlieren. Meinen Sohn könnte ich nicht gut hinein ziehen lassen, weil sie nicht meublirt ist, und er dann sehr weit von seiner Verlobten wohnte – er hat sich nämlich dieser Tage mit einem sehr netten Mädchen verlobt. Freilich ist er noch sehr jung, doch, da sie warten wollen, und gegen das Mädchen nichts einzuwenden ist, so konnte ich mein Ja nicht verweigern, obgleich ich nicht versäumte alle möglichen Schwierigkeiten ihm vorzustellen. Gern wüßte ich, ob Sie Parquetboden in den Zimmern haben? ferner eine Gardine über dem Balkon? gehört Letztere zum Haus, oder Ihnen? Wir reisen morgen nach Brüssel ab, Adresse: chez Mr Kufferath, Bruxelles 13, Rue de la Charité. Dort sind wir bis zum 5t Febr. Abends.
Liebe Frau Berg, ich werde Sie nun wohl noch öfter mit Fragen aller Art belästigen – haben Sie freundliche Nachsicht! –
Ich habe schreckliche Tinte, schreibe auch in großer Flucht, weil wir im ärgsten Packtroubel stecken. Auch das entschuldigen Sie.
Mit herzlichen Grüßen auch an Ihren lieben Mann, Joachims und Julie
Ihre
dankend ergeb
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
Empfänger: Berg, Nanny (2063)
Empfangsort: Berlin
  SBE: II.18, S. 69f.
 



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