19.12.2019

Briefe



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ID: 10551 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 07.09.1873
 

Baden d. 7 Septbr 1873.
Lieber Levi,
eben sollte ein Briefchen an Sie abgehen, da kommt Ihr letzter, (Antwort auf Wiesbaden), und nun schreibe ich noch ’mal. Fürerst herzlichen Dank für alle Ihre Bemühungen! –
Lassen Sie mir, bitte, noch zwei Partituren abschreiben – soll ich die 60 fl für die Erste schicken oder bringen? wie es der Schreiber am liebsten mag. Ich habe nun nach Frankfurth geschrieben daß ich dort am 24ten Octber spielen will, so hätte ich dann für München vom 13–22 Octbr Zeit. Am 11ten wollte ich mit Stockhausen Concert in Stuttgart geben. Ihre Nachricht wegen der Cholera wiederspricht aber den öffentlichen Berichten, – es sind ja sogar alle Festlichkeiten von Polizei wegen verboten, also muß die Krankheit doch epidemisch sein! – Wie sehr leid wäre es mir, vereitelte dies mein Kommen – ich freue mich schon so sehr darauf. Also gestern haben Sie nun die Quartette gespielt? ich hatte gerade auch Ihnen gesagt, daß sie mir höchst bedeutend erschienen sind – unwillkürlich hat man Beethoven dabei im Sinne. Könnten Sie sie mir nicht vorspielen lassen? oder ist das zu unbescheiden? – Wegen der Autorenschaft wollte ich erst noch mit Ihnen sprechen, da rieth mir Johannes überhaupt von der Sache ab – bitte sprechen Sie ’mal mit ihm – er weiß, warum ich nicht die Schrifft unterschreiben wollte. Grüßen Sie ihn herzlich; ich schrieb ihm vor ein paar Tagen – da war er dann wohl gerade bei Ihnen! Was soll ich, falls Herbeck schriebe, in Wien inclusive Partitur verlangen? bitte nur die Zahl auf einer Correspondenzcarte. Ich weiß wie sehr Sie beschäfftigt sind, darum, sind mir auch Briefe lieber, bitte ich doch nur um Carte. Johannes geht doch noch nicht von Tutzing fort? Was sagen Sie zu dem Regenlied, zu Beiden? ich habe diese Melodie Tage lang mit mir herumgetragen – sie machte mich schrecklich traurig.
Nehmen Sie sich doch ja in Acht, lieber Levi, mit leiblichen Genüssen, es ist kein Spaß mit so ’ner Krankheit.
Herzlich Ihre
Cl. Sch.

Ihre Tante ist für längere Zeit hier – ich sehe sie aber selten! – sie wohnt sehr weit!

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
638ff.
 

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