15.07.2019

Briefe



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ID: 10559 Brieftext


Geschrieben am: Montag 06.10.1873
 

Baden d. 6 Octbr. 1873.
Lieber Freund!
das ist ja eine wundervolle Ueberraschung für mich mit dem Manfred! ach, könnte ich nur beide Mädchen mitbringen, aber das geht nicht, Felix muß noch sehr gepflegt werden und überdieß muß gepackt werden – eine furchtbare Arbeit.
Es ist recht ein Glück für mich, wenn ich etwas aus den Sorgen herauskomme, es ist gar zu viel wieder ’mal was auf mich losstürmt. Dazu habe ich zu thun, daß ich gar nicht mehr weiß, wie fertig werden!
Das mit Johannes freut mich sehr – wir ahnden was es sein wird – gewiß freut es auch ihn, da bekömmt er auch das von seiner Ahnen wieder – Gebrauch wird er aber wohl davon nicht machen. Avé wohnt: Uhlenhorst, Heinrichstr.
Der weiß jedenfalls über Johannes Jugendzeit das Meiste – vielleicht kann ich Ihnen auch Manches beantworten was Sie aber eigentlich schon wissen! Im Jahre (Herbst) 1853 kam er zuerst zu uns, war 4 Wochen in Düsseldorf, täglich bei meinem Mann – dann ging er nach Hannover und dort fanden wir ihn mit Joachim im engsten Verkehr, als wir im Januar hinkamen, kurz darauf fing die Krankheit meines Mannes an, und im Februar schon kam Johannes mit Julius Grimm nach Düsseldorf, und blieb dort – das wissen Sie nun Alles. Schreiben Sie mir nur auf eine Carte Fragen – dann weiß ich besser, was Sie wissen müssen.
Frances ist sehr unwohl, und so egoistisch, daß sie Ihre Tante sicherlich nicht fortließe.
Wir sehen uns wenig weil ich zu viel zu thuen habe. Joachim und Rudorff kommen doch nicht, aber Stockhausen können Sie ja einladen, der ist in der Nähe. Er hat mir übrigens ’mal wieder einen Streich gespielt – mündlich erzähle ich Ihnen davon. Sie können ihn aber doch einladen – er hatte sich früher schon vorgenommen zur Genovefa nach München zu kommen.
Ich schrieb an Herbeck und Jahn wegen Texten, die Briefe liegen aber noch da – ich schicke sie aus Vorsicht doch lieber nicht eher ab, als bis ich sicher bin.
Bitte sorgen Sie daß ich Plätze im Parquet, nicht zu weit von der Bühne – etwa 4–5te Reihe, bekomme. Eugenie wird mit mir kommen.
Haben Sie Nachsicht mit diesen flüchtigen Zeilen. Ich komme Sonnabend mit Frl. List – erwarten Sie mich nicht am Bahnhof, es ist dann nur um so ungemüthlicher wenn man sich gleich wieder Adieu sagen muß, lieber kommen Sie Sonntag früh zu mir.
Ihre von Herzen ergeb.
Cl. Sch.

Ich glaube wir kommen um 8 Uhr in München an – Sie können mich dann auch noch besuchen, wenn Sie Zeit haben!

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 649ff.
 



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