19.12.2019

Briefe



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ID: 10560 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 08.10.1873
 

Baden d. 8 Octbr. 1873.
Lieber Levi,
sehr bestürzt waren wir gestern über Ihre Nachricht – wie furchtbar leid thäte es mir für Sie vor allem, käme die Oper mit Frl. Stehle nicht zur Aufführung! Ich hoffe aber doch noch, daß sie sich bis zum 16ten wieder erholt, und sehe Ihren weiteren Nachrichten entgegen. Sehr betrübt wäre es mir, verschöbe sich die Aufführung so lange, daß ich nicht dabei sein könnte!!! – Die Briefe wegen der Textbücher habe ich nun abgesandt.
Ich erhielt gestern die Todesnachricht meines theueren Vaters, die mich tief erschüttert hat; obgleich man ja jeden Tag seines Lebens in so hohem Alter als eine besondere Gunst des Himmels ansehen mußte, und immer gefasst sein mußte, ihn zu verlieren, so trifft solch ein Schlag doch nicht minder hart. Ich empfinde den Verlust schwer, denn, sah ich ihn auch selten, und gab es auch manche Zeiten der Zerwürfnisse, so waren das doch nur ganz vorübergehende, und mein Herz hing ihm an in tiefer Liebe und Dankbarkeit. So geht Eines nach dem Anderen, Alles was an die Jugend erinnert, wie ein Traum schwindet Alles, bis wir selbst dahin gehen! –
Leben Sie wohl lieber Freund!
Recht sehr traurig
Ihre
Cl. Schumann

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
652f.
 



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