15.07.2019

Briefe



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ID: 10591 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 03.01.1874
 

Berlin d. 3 Jan. 1874.
Liebe Frau Berna
so eben kommt uns die Trauerkunde, die uns, obgleich durch Elisens Brief vorbereitet, dennoch auf das traurigste bestürtzte. Ach, es ist so hart einen geliebten Vater verlieren, das Auge, das so oft zärtlich auf uns geruht, erlöschen zu sehen! ich muß es Ihnen sagen, wie tief ich den Verlust mit Ihnen zu empfinden vermag! auch mir raubte das vergangene
Jahr den theueren Vater und frisch blutet noch diese Wunde in meinem Herzen, mir ist mit ihm das letzte Stück Jugend begraben. Sie sind selbst noch so jung, die Zeit wird auch diesen Schmerz mildern – Ersatz giebt es aber nicht für solche Verluste! –
Ich hoffe recht bald von Elisen und durch sie von Ihnen zu hören. Welch ein Trost muß es Ihnen sein, daß Sie selbst den geliebten Vater pflegen durften, daß er noch einige Wochen den Genuß herrlicher Natur hatte, und mit Jenen, die ihm theuer waren! –
Bitte, sagen Sie auch Frau Christ einige Worte meiner innigen Theilnahme.
Antworten Sie mir nicht – ich weiß wie schwer Einem in solchen Zeiten ersten Schmerzes das Schreiben wird. Nehmen Sie meine herzlichen Grüße, liebe Frau Berna, und gedenken freundlich
Ihrer
aufrichtig ergeb
Clara Schumann.

Meine Kinder tragen mir auf Ihnen ihre warme Theilnahme zu versichern.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 472f.
 



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