19.12.2019

Briefe



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ID: 10613 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 15.03.1874
 

Berlin d 15ten März.
Verehrter Freund,
fürerst herzlichsten Dank, daß Sie sich so freundlich meiner Angelegenheit annehmen wollen und besonders auch, daß Sie die Zustandsvormundschaft für Ludwig übernehmen wollen. Ich will nun alle Ihre Fragen beantworten: Wie aus den Ihnen gesandten Scheinen zu ersehen war Oberbürgermeister Hammers in Düsseldorf Vormund meiner Kinder und ist es noch von Felix. Väterliches Erbtheil ist nie verwaltet worden, da das Wenige was vorhanden war damals bei Krankheit meines Mannes und Erziehung der Kinder mit darauf gegangen. Ludwig kam Anfang December, [1869.] (Datum weiß ich nicht) zur Frau Kriegsräthin Henning Mathildenstraße 40. III Stock, blieb dort bis 20ten Mai 1870. kam am 21. Mai nach Pirna zu Dr. Lehmann in die Privat-Heilanstalt, blieb da bis 4ten Dec. 1871. – kam am 4ten Dec. in die Staatsanstalt zu Colditz. Ich konnte Ihnen diese Frage nicht eher beantworten, weil ich letzteren Datum erst in Erfahrung bringen mußte.
Daß es Ihnen, lieber, verehrter Freund wieder so wohl geht, freut mich recht herzlich – könnte man solches doch auch von der lieben Fanny sagen. Uns erwächst jetzt auch wieder eine neue große Sorge um Felix indem die Aerzte es für nöthig erachten, daß er nach dem Süden und im Sommer in hohe Bergluft geht. – Es folgt bei uns wirklich immer Eines auf das Andere.
Wie tief uns der Trauerfall, der die armen Bendemanns betroffen, erschüttert hat, brauche ich Ihnen kaum zu sagen. Leider geht es Herrn Bendemann wieder mit der Stimme nicht gut! –
Entschuldigen Sie mein chaotisches Dictat und sein Sie herzlichst gegrüßt mit den lieben Ihrigen
von Ihrer
stets ergebenen
Clara Schumann.

P. S. Mir sagt eben Prof. Lazarus, daß bei den Gerichten zur Zeit ein dringendes Wort viel ausrichten könne. Vielleicht bietet sich Ihnen dazu eine Gelegenheit. –

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Hübner, Julius und Pauline (2459)
  Empfangsort:
  SBE: II.6, S. 620ff.
 



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