19.12.2019

Briefe



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ID: 10633 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 16.08.1874
 

Engelberg d. 16. Aug:
Hotel Titlis (?).

Meine liebe Mutter,
ich möchte durch diese wenigen Zeilen Dir nur sagen, daß ich an dem Geburtstage unseres theueren Väterchens mit all meinen treu liebenden Gedanken bei Euch sein werde. Wie schwer sind solche Tage, und dieser für Dich so ganz besonders, da Du seit so vielen |2| Jahren das schöne Fest mit ihm vereint feyern durftest - zum ersten Male jetzt ohne ihn es verleben mußt! - Ach, es ist so hardt zu denken, an solche ewige Erinnerung glauben zu müssen! -
Heute zum ersten Male seit 14 Tagen, die wir hier sind, können wir auf schönes Wetter hoffen - die Luft ist aber herrlich hier, |3| nur leider mein Beinleiden eher schlimmer als besser. Ich habe Hrn. (?) Traube (?) aus Berlin consultirt, und er räth Frottirungen (?) und Heilgymnastik. Nun, ich muß aber Alles versuchen, höre übrigens oft von Leuten denen es ebenso gegangen ist, und die ganz geheilt wurden - so will ich denn fortan hoffen. Felix muß wieder nach Montreux für den Winter. Leider ist er viel zu wenig vorsichtig, es ist auch schwer für solch' einen jungen Menschen.
Meine Schmerzen mahnen zu sehr, ich muß Dir Adieu sagen. Grüße Marie herzlich und sey umarmt, meine liebe theure Mutter, von deiner
gehorsamen Tochter
Clara.
Die Kinder alle, die (?) grüßen herzlich.
Wir bleiben bis Ende des Monats hier.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Engelberg
  Empfänger: Wieck, Clementine (1708)
  Empfangsort: Dresden
  SBE: I.2, S. 322f.
 



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