19.12.2019

Briefe



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ID: 10637 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 09.12.1874
 

wie sehr leid hat es uns gethan, daß uns doch die Freude mit Wiesbaden zu Wasser geworden, und so auch die Fahrt gemeinschaftlich mit Ihnen dorthin, was ich mir schon recht gemüthlich ausgemahlt hatte. Ich bin recht betrübt, denn lange hatte ich mich nicht auf einen Kunstgenuß so gefreut, wie jetzt auf die Genovefa. Wer weiß, wann ich sie nun ’mal dort sehe. Wir wurden in Coblenz an dem Dienstage nicht fortgelassen, und so kamen wir Mittwoch erst hierher, wo uns recht Trauriges erwartete. Wir fanden die arme Frl. Junge schwer krank, ich bin aber doch recht befriedigt, daß wir sie gesehen – wir haben sie so von Herzen lieb, und ihre Freude that uns so innig wohl. Ein so theures Wesen so unsäglich leiden zu sehen ist furchtbar, und blutet Einem wahrhaft das Herz dabei. Und nun die arme blinde Frl. Leser die an ihr Alles verliert! Recht herzlichen Dank möchte ich Ihnen vor allem nun sagen für die freundliche Aufnahme die Sie uns angedeihen ließen, wobei ich nur traurig empfand, wie wenig ich jetzt mit meinem Armleiden Ihnen etwas zu bieten im Stande war. Hoffentlich fügt es sich ein anderes Mal günstiger

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Düsseldorf
  Empfänger: Beckerath, Laura von (168)
  Empfangsort: Wiesbaden
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
235f.
 



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