20.11.2018

Briefe



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ID: 10660 Brieftext


Geschrieben am: 22.01.1875
 

Düsseldorf 22 Januar 1875.
Liebe Frau Schöne!
Nehmen Sie ein Wort des herzlichsten Dankes für Ihre lieben Zeilen, und Sie, wie Ihr verehrter Mann, meinen wärmsten Dank für Ihre so freundlichen Bemühungen. Wie froh bin ich, daß ich neulich, als ich mit Ihrem Manne sprach, die Scheu, ihm etwa unbescheiden mit meinem Anliegen zu erscheinen, überwand. Ich habe aber stets, wenn ich aus seinen Augen das Wohlwollen strahlen sah, ein Gefühl, als dürfte ich so von Herzen weg wie zu einem Freunde zu ihm sprechen, und wieder, wie schon öfter, hat er mir durch seine Güte bewiesen, daß mein Gefühl, ihm gegenüber mich nicht trügt. Ich brauche Ihnen wohl nicht zu sagen, wie sehr leid es mir gethan, daß wir uns einander immer verfehlt haben; in Berlin empfindet man so recht die Schattenseite der großen Stadt, die einen gemüthlichen Verkehr kaum zuläßt. Gebe der Himmel, daß Ihr theurer Vater bald wohler werde. Im Alter haftet eben immer Alles was einen anfliegt, so viel länger. Ich hoffe sehr, daß das Frühjahr ihm Genesung bringe und auch Ihren Kleinen vollkommen wieder herstelle. Es that mir neulich so weh, Ihren Mann so sorgenvoll über ihn sprechen zu hören.
Leben Sie wohl, liebe theure Frau und bleiben Sie Beide gut
Ihrer
von ganzem Herzen
ergebenen
Clara Schumann.

Bitte, grüßen Sie Ihren Herrn Vater recht warm von mir.

  Absender: Schumann, Clara, geb. Wieck, Clara (3153)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Düsseldorf
  Empfänger: Schöne, Helene, geb. Härtel, gesch. Wigand (1394)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.18, S. 502f.
 



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