19.12.2019

Briefe



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ID: 10699 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 30.06.1875
 

Kiel d. 30t Juni 1875.
Marienhöhe bei Kiel
Verehrter Herr Geheimrath,
länger als ich es wollte, blieb ich Ihnen meine Zuschrifft betreffs der Hochschulangelegenheit schuldig. Die Sache bedurfte meinerseits doch der reiflichsten Erwägung und übrigens wurde ich durch mancherlei Äußeres so in Anspruch genommen, daß ich nicht zu der rechten inneren Ruhe kommen konnte. – Ich dachte nun folgende Bedingungen zu stellen: Ich verpflichte mich durch das Winter-Semester hindurch zu 6 Stunden wöchentlich, (jedoch nehme ich nicht mehr als zwei Schülerinnen in einer Stunde) und beschränke mich anbetracht dessen, daß es nur für das Winter-Semester ist, auf die Forderung von Ein Tausend Thaler (3 000 R. Mark) jedoch mit der Bedingung daß ich wie die Anderen der Professoren die Vortheile des Wohnungs-Geldes und der Pension, vorausgesetzt, daß ich die übrige Zeit an der Schule wirke, genieße. Sollten mehr Stunden gewünscht werden und ich mich kräftig genug dazu fühle, so wäre jede Extrastunde mit 20 Mark zu vergüten. Ich behalte mir völlige Freiheit in meiner sonstigen Thätigkeit als Künstlerin wie als Lehrerin vor, – es versteht sich von selbst, daß meine Schüler dadurch nicht beeinträchtigt werden; ferner muß es mir gestattet sein bei vorkommender Gelegenheit um Urlaub einzukommen, sobald es mehr als wenige Tage betrifft. Für kurze Ausflüge von 2–3 Tagen möchte ich nicht genöthigt sein um Urlaub einzukommen, da ich dann ja meine Stunden vor oder nachgeben kann. Eine Hauptsache muß ich aber nun noch besonders erwähnen: Ich kann die Stunden, Gesundheits-Rücksichten halber, nur in meinem Hause geben. Es sollte mir lieb sein wenn ich Ihren Wünschen insoweit entgegengekommen wäre, daß Sie auf meine Bedingungen eingehen könnten. Meine Adresse ist die Obige bis zum 10t July, dann: Klosters im Unter-Engadin Hôtel Florin. Sie und Ihre liebe Frau Gemahlin, die jetzt hoffentlich wieder bei Ihnen ist, auf das wärmste grüßend Ihre hochachtungsvoll
ergeb Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Kiel
  Empfänger: Schöne, Richard (1395)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 18
Briefwechsel Clara Schumanns mit Korrespondenten in Berlin 1856 bis 1896 / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz, Eva Katharina Klein und Thomas Synofzik / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-055-1
504f.
 



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