15.07.2019

Briefe



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ID: 10701 Brieftext


Geschrieben am: 09.08.1875
 

Klosters d. 9 Aug. 1875.
Meine liebe Frau Schöne
wie tief betrübt bin ich über die Trauerbotschaft! so haben Sie denn auch den Vater begraben – wie hart ist es zu denken, man hat keine Eltern mehr! – Welch ein Verlust für die Seinigen und für Jeden, der ihm näher stand. Auch mir war er stets ein wohlwollender Freund, und mit wahrer Wehmuth denke ich der Zeit, wo er und Manche, die nun schon längst dahin gegangen, in voller Kraft lebten und schafften als treue Diener und Hüter der Kunst.
Ein Trost muß Ihnen sein daß es Ihnen vergönnt war bis zu seinem letzten Athemzuge um ihn zu sein, und jetzt den liebenden Gatten zur Seite zu haben, wo Ihnen so schwere Pflichten noch auferlegt sind – welch ein Schmerz, das Elternhaus auflösen zu müssen, wo man doch mit allen Fasern des Herzens daran hängt.
Ich mußte Ihnen ein Wort sagen – Sie wissen wie es mir aus der Tiefe des Herzens kömmt, wie ich Sie liebe und hochhalte, wie ich mit Ihnen warm empfinde, und so finden Sie es gewiß natürlich. Antworten Sie mir nicht, ich weiß, wie schwer man über solches Leid schreibt.
Ihrem lieben Manne sagen sie meinen Dank daß er der Trauernachricht selbst einige Worte beifügte, und seyen Sie Beide aufs innigste gegrüßt.
Gebe der Himmel, daß Sie das große Leid unbeschadet Ihrer so theueren Gesundheit tragen, und Alles Gute für Sie und die Ihrigen von Ihrer treu ergeb
Clara Schumann.

Meine Kinder möchten auch ihrer Theilnahme Sie versichert wissen.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Klosters
  Empfänger: Schöne, Helene, geb. Härtel, gesch. Wigand (1394)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.18, S. 508
 



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