19.12.2019

Briefe



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ID: 10728 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 21.02.1875
 

Kiel d. 21. 2. 1875
Liebe verehrte Freunde,
Ganz erschüttert sind wir von der Trauerkunde, die uns soeben wurde. Ihre theuere Fanny mußten Sie verlieren – welch ein Schmerz ist das! Fühlte doch ein Jeder in ihrer Nähe sich erquickt und gehoben, wie sie ihr schweres Leid so verehrungsvoll trug, dabei allem Schönen die wärmste Empfänglichkeit entgegenbrachte, Herz und Geist immer offen hielt – solch ein Kind verlieren, wie hart ist das, und wie tief wehmüthige Gedanken müssen Ihren Schmerz begleiten! Könnte man trösten, aber so arm ist jedes Wort, und möchte ich hiermit nur Ihnen sagen, wie innig ich mit Ihnen Beiden trauere!
Von Lida werde ich wohl von Ihnen hören – antworten sie mir jetzt nicht, ich weiß, wie schwer man in solcher Trauer die Feder ergreift. Möge der Gedanke an Ihre theueren anderen Kinder Balsam auf Ihre blutenden Herzen sein!
In treuer Freundschaft drückt Ihnen die Hand
Ihre tiefbetrübte
Clara Schumann.

Marie sendet ebenfalls ihre Versicherung tiefster Theilnahme.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Kiel
  Empfänger: Hübner, Julius und Pauline (2459)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
626f.
 



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