15.07.2019

Briefe



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ID: 10896 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 11.05.1877
 

Berlin d. 11 Mai 77.

Liebe Freundin

wie herzlich danke ich Ihnen für Ihren lieben Brief, und wie freue ich mich daraus zu entnehmen daß Sie ein wenig gern bei uns waren. Welche Freude es uns war Ihnen durch dies Zusammenseyn näher gekommen zu sein brauche ich Ihnen wohl kaum zu sagen, ich meine, Sie müssen gefühlt haben, wie lieb Sie uns waren, wenigstens lag es in unserem herzlichen Wunsche daß Sie sich behaglich fühlen möchten. Manches möchte ich Ihnen sagen, aber, es sieht mir so steif auf dem Papiere aus, so will ich Ihnen nur das wiederholen, daß wir Sie und Ihren lieben Mann innig lieb gewonnen, <> und Ihr Fortgehen schmerzlich empfunden haben. Es war uns ein paar Tage ordentlich katzenjämmerlich zu Muthe, und wir kommen erst jetzt wieder in’s alte Geleis. Briefe von Eugenie und Felix nahmen uns gestern und heute sehr in Anspruch. Eug. findet besser nicht erst hierher zu kommen, und ich muß ihr Recht geben, finde auch besser, daß sie so lange als möglich das ihr so wohlthuende Clima genießt – aber, schwer wird es uns, sie nun noch so lange missen zu müssen – unser theures Sorgen-Kindchen! Felix meldet mir, daß er das Studium des Juris mit dem der Philosophie zu vertauschen wünscht, und bittet um meine Bewilligung. Natürlich gebe ich sie ihm – er ist ja alt genug um zu wissen, was er will, und geht seine Neigung entschieden dorthin, so kann es mir ja nur erwünscht sein, daß er einen Beruf nach seiner Neigung wählt. Sein Leben ist ja ohnehin ein Schweres und möchte ich es ihm erleichtern wie ich es kann.
Nun, liebste Frau Elisabeth, seyen Sie in treuer Zuneigung umarmt, auch von Marie, sagen <>Sie viel Liebes Ihrem theuren Manne und gedenken Sie Ihrer
Clara Schum[ann]

Lassen Sie bald wieder von sich hören! bitte!
Der herrliche Rosenstock hat jetzt 12 Blumen – Ihrem Manne habe ich nicht gedankt, thuen Sie es, bitte. Wann kommt Fillu? herzlichen Gruß an sie! Wie komisch waren Ihre Abentheuer – es war aber gut daß wir nichts davon ahneten. Hätten sie Sie uns zurückgeführt, uns wäre es recht gewesen.
Ihre Adresse haben Sie mir nicht geschrieben.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Herzogenberg, Heinrich u. Elisabeth von (2429)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 414ff.
 

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