15.07.2019

Briefe



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ID: 10967 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 07.12.1877
 

Berlin den 7. Dez 77.
Liebste Frau Berna!
Ich möchte Ihnen doch gerne wieder einmal ein Wort senden, freilich kann ich leider nicht selbst schreiben. Haben Sie vor allem Dank für Ihren lieben Brief neulich – wie oft weilen meine Gedanken bei Ihnen und wie bedauere ich dann immer, daß Sie so fern von uns wohnen und man Ihnen so gar nichts sein kann! wie viel sind Sie meiner Elise gewesen, könnte man einen kleinen Theil der Liebe an Sie abtragen. Wie mögen Sie jetzt leben? wol noch immer sehr beschäftigt alles in Ihrem Hause wieder in die alte Ordnung zu bringen! Daß Sie die Freude hatten sich mit Elise nochmals einige Stunden zu sehen hat mich recht von Herzen gefreut, nur war ich sehr betrübt daß Elise mir nicht nach Düsseldorf telegrafirt hat, ich wäre ja gern einen Tag länger dort geblieben hätte ich auf ihren Besuch hoffen können und zumeist betrübte mich der Gedanke, daß es Elisen wol nicht so ernst darum war und sie mir das wol nur gesagt hat weil sie für mich fühlte. Nun, es ist ja nun einmal nicht anders, als daß die Kinder, wenn sie mal den Mann ihrer Wahl endlich besitzen, den Eltern eine Zeit lang ferner treten; kommen dann die Geschicke so flüchten sie doch immer wieder zu den Eltern, sowohl bei freudigen als traurigen.
Wir haben gestern unser zweites Concert gegeben und war es wieder eben so brillant wie das erste. Jetzt rüste ich bald nach Breslau zu gehen, von wo ich erst am 22. hierher zurückkehre, Sie können denken wieviel es da vor- ud nach-her zu thuen giebt.
Die Geschenke haben Sie wol nun alle eingepackt? haben Sie auch ein kleines Pappkästchen, welches wir nachschickten, erhalten? es enthielt ein wunderschönes Taschentuch, welches meine Nichte in Schneeberg selbst gestickt hatte.
Die Uhr war nun also doch wirklich von Brahms, er schrieb: „über den eitlen Componisten werdet ihr gelacht haben, der nicht blos seine Noten in natura schickt sondern sie auch aufdruckt – wo nur Platz ist.“ Ich hoffe Elise dankt ihm recht bald. Haben Sie ferner auch noch ein Bouquet erhalten welches von Joachim kam, das er aber irrthümlicherweise nach Büdesheim bei Rödelheim adressirt hatte; er war sehr bestürzt von mir zu hören, daß wir es nicht empfangen, und hat mir recht leid gethan.
Nun meine liebe Frau Berna muß ich schließen[,] laßen Sie mich bitte öfter von sich hören wie Sie leben. Unsere Gedanken werden am 11t. vereint das junge Paar mit unseren Segenswünschen über’s Meer begleiten – hätten wir doch erst das beruhigende Telegramm ihrer Ankunft dort.
Marie und Eugenie wollten Ihnen dieser Tage schreiben[,] sie sind aber auch recht sehr beschäftigt und so dachte ich besser eine freie halbe Stunde zu diesen Zeilen zu benutzen als mich auf sie zu verlaßen.
So denn noch herzlichsten Gruß von
Ihrer
innig ergeb
Clara Schumann.

Wie steht’s mit Berlin? Sie denken doch daran? bald kommt ja der Febr. heran! –
Leider hatten wir von Felix schlimme Nachrichten – er war recht unwohl, und ist wieder ganz zurückgeworfen. Recht betrübt sind wir darüber, wie Sie denken können.
Noch einen Gruß, liebe, gute Frau Berna!

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 483-486
 



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