19.12.2019

Briefe



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ID: 10983 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 19.01.1878
 

Berlin d. 19ten Jan. 78.

Geehrter Herr Limburger!

Was ich Ihnen heute schreiben muss, ist mir ausserordentlich leid. Mein, Ihnen neulich mitgetheiltes Gefühl, dass mir eine verfrühte Feier peinlich sein muss, macht mehr u. mehr je näher der Tag rückt, sein Recht geltend u. alle Freunde, welche ich hier darum befragt habe, finden dasselbe vollkommen gerechtfertigt. Ich fürchte sogar, dass ich in einem sonderbaren Lichte erscheine, wenn ich Ihrem Wunsche nachgebe. Der Grund, welchen Sie selbst in dem P. S. Ihres Briefes für eine verfrühte Feier angeben, spricht gerade dagegen; Missliebige werden sagen, ich hätte die Zeit nicht erwarten können, u. solchen Auslegungen, werden Sie u. die Herren des Comité, die Sie doch nur die Absicht hatten, mir eine Aufmerksamkeit zu erweisen, mich nicht aussetzen wollen. Hätten Sie mir neulich, als ich in Leipzig war, die Sache gleich mitgetheilt, so wäre Alles in’s Klare gekommen, während ich mich jetzt gezwungen sehe, Ihnen diese Unannehmlichkeit zu bereiten. So muss ich denn nochmals entschieden bitten, dass Sie den Schumannabend aufgeben, u. mich, da der 24te nun schon in den Blättern als Festtag besprochen worden ist, ganz freigeben. Sollten Sie wegen eines Ersatzes in Verlegenheit sein, so glaube ich, dass Frl. Janotha wohl bereit sein würde. Schliesslich möchte ich Ihnen die Versicherung geben, dass es mir unendlich leid ist, Ihnen diese Unannehmlichkeit bereiten zu müssen, u. bitte ich, meiner stets aufrichtigen Gesinnung sich versichert zu halten.
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Berlin
  Empfänger: Limburger, Bernhard (952)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 20
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Korrespondenten in Leipzig 1830 bis 1894 / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller und Ekaterina Smyka / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-030-8
129f.
 



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