15.07.2019

Briefe



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ID: 11065 Brieftext


Geschrieben am: 29.09.1878
 

Hamburg d. 29 Septb 1878.

Liebste Frau Lisl,

ich kann doch nicht warten bis ich nach Leipzig komme – es drückt mich zu sehr, daß ich Ihnen noch nicht für die Freude die Sie mir durch Ihre lieben Zeilen, Ihr Mann durch sein reizendes Gedicht, und wieder Sie durch die wunderhübsche Decke gemacht haben, gedankt habe, und ich habe doch so recht die Wohlthat Ihrer Freundschaft empfunden! das glauben Sie Beide mir, nicht wahr? Leider durchlebten wir schwere Zeit, und leben fort in der schrecklichsten Sorge um unsern Felix, für den wir wenig mehr hoffen dürfen. Da, bei solchem Kummer, Kopf und Herz aufrecht halten ist unsäglich schwer. Wieder ist es die Kunst die mir als treue Trösterin zur Seite steht und die theueren Kinder, die mich mit ihrer Liebe aufrichten. Ach, meine lieben Freunde, wie möchte ich mich ’mal so recht zu Ihnen aussprechen können. In Leipzig so Gott will, sehen wir uns wohl! bleiben Sie mir gut, ich empfinde Ihre Liebe so warm, wie Sie es nicht glauben und doch glauben sollten von Ihrer
treuen
Clara Schumann.

Gestern dirigirte Brahms seine 2te Symphonie, es war wieder Hochgenuß.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absender-Institution:
  Absender Ort: Hamburg
  Empfänger: Herzogenberg, Heinrich u. Elisabeth von (2429)
  Empfänger-Institution:
  Empfänger Ort:
  SBE: II.15, S. 443f.
 



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