19.12.2019

Briefe



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ID: 11086 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 06.11.1878
 

Frankfurt a/m d. 6 Nov. 1878.
32 Myliusstr.
Lieber Freund,
heute sollte ich zuerst gratulieren, muß aber mein Herz erst erleichtern indem ich Ihnen recht warm und innig die Hand drücke für Ihren so lieben Brief nach Leipzig. Hätten Sie meine Freude beim Lesen gesehen, so wüßten Sie, daß es um mein Herz zu rühren, keiner besseren Worte bedürfte als die Sie fanden, und die mir noch immer nachklingen. Es war ein schönes, erhebendes Fest für mich, und ich habe die Tage wirklich voll und ungetrübt genossen. Es zogen zwar einige Wölkchen am Himmel vorüber, von der Liebe aber die mich umgab, und fast überflutete, bald an den Horizont getrieben; sie tauchten hier noch wieder hervor, vermögen aber auch jetzt nicht die Erinnerung des Erlebten zu trüben. Was ich meine, verstehen Sie wohl kaum, mündlich sage ich es Ihnen.
Mögen Sie doch morgen den Tag so froh als möglich verleben, freilich ist es ohne tiefe Wehmuth, ohne die geliebte Freundin, ohne ein Zeichen von ihr, nicht möglich, das weiß ich wohl. Ich will Ihrer mit meinen Kindern recht warm gedenken, wir thuen es übrigens auch oft ohne Geburtstag. –
Sie schrieben mir nicht wann das Fest Ihres Herrn Vaters sey, und so frug ich bei Frau Feidel an, die mir mittheilte, daß das Hauptfest erst in einem Jahre sey. Ich meinte Sie verstanden zu haben es sey am 7ten Nov. dieses Jahres?
Nun wegen München! den 10ten hätte ich nicht gekonnt, weil ich am 19ten nach Bonn muß, und nicht gern so oft nacheinander von hier fortgehe. Ich kann aber im Dec. kommen wann Sie wollen, nur nicht Ende Dec. denn da gehe ich wahrscheinlich nach Berlin zu einem Concerte.
Mit Felix geht es immer auf und ab – der arme Junge leidet viel, ist aber auf und kommt zu Tisch immer zu uns herunter. Ich waffne mich jeden Tag mit Muth, und mit Hülfe der großen Thätigkeit geht es, auch um der Schwestern halber muß ich es ja! –
Ich hoffe die lieben Thelegraphierenden von München aus (zum 24ten) lasen meinen Dank i. d. Augsburger. Persönlich Allen zu danken wäre eine Unmöglichkeit für mich.
Ich habe wohl an die 200 Thelegramme, Briefe u Carten bekommen, dazu herrliche Bouquets, Lorbeerkränze ect. ect.
Getreu ist Ihre
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 5
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Franz Brendel, Hermann Levi, Franz Liszt, Richard Pohl und Richard Wagner / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Thomas Synofzik, Axel Schröter und Klaus Döge / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-016-2
777f.
 

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