15.07.2019

Briefe



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ID: 11141 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 02.03.1879
 

Frkf a/m d. 2 Maerz 1879.
Lieber Levi,
Dank für Ihren lieben theilnehmenden Brief – ach, Sie wissen, was wir verloren, welche Hoffnungen mit Felix zu Grabe getragen sind. Sprach ich in der langjährigen Sorge um seine Gesundheit auch selten darüber, so schlummerten sie doch in mir, und jetzt ist Alles dahin! wie sieht es in mir oede aus, wie fühlen wir uns auch im Hause vereinsamt! Wie verfolgen mich beängstigende Gedanken vor neuem Unglück! es ist mir als könnte kein Lichtstrahl mehr in meine Seele dringen. Ich kämpfe mit allen Vernunftsgründen dagegen an, sage mir immer vor, daß ich ja noch reiche Schätze in meinen Kindern, der Kunst und der Freunde besitze, aber jeder Augenblick kann mir Alles rauben. Man wird ja doch nur alt, um zu verlieren, bis man eben selbst hinausgetragen wird, dann schneit und weht es über das Grab, und sonst geht Alles seinen Gang, nach wie vor. Das sind so die Gedanken, die mich bestürmen, aber äußerlich sieht es mir Niemand an, ich arbeite viel, und die Thätigkeit wird mir, hoffe ich, helfen den Kampf zu überwinden. Gern mögen Sie sich in den schönen Büchern von Felix etwas aussuchen, ich schicke Ihnen ’mal einen Katalog, den Marie machen will. Welch eine Stütze sie mir in der ganzen Zeit wieder war, kann ich nicht dankbar genug anerkennen. Bewunderungswürdig war sie, und selten möchte sich wohl ein Verein von solchen Eigenschaften finden wie bei ihr. (Ihnen, darf ich dies unverwunden sagen, nur so langjährige Freundschaft erlaubt dies wohl.)
An ihrer harmonischen Natur wird sich die Meine zuerst wieder aufrichten, das fühle ich – ich kann überhaupt die beiden Kinder nicht ansehen, wo ich nicht mir sage, „ihnen darfst du es nicht durch deinen Kummer schwer machen.“
Bitte, danken Sie Frau und Frl. Eller, sowie Herrn Allgeyer für die lieben Zeichen der Theilnahme, und nun ein herzliches Lebewohl von Ihrer
alt ergb.
Clara Schumann.

Von Lenbach schweigt die Fama!!! wie steht es mit den Bildern?
Könnten Sie gelegentlich ’mal bei Hanfstaengl fragen, zu welchem Preise sie mir große Photographien überlassen würden?
Ich meine Abdrücke von der schönen großen Photographie von mir. Ich möchte doch gern Einige für meine Kinder in Berlin und New York haben, auch f. meine 2 Brüder.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 788f.
 



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