15.07.2019

Briefe



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ID: 11165 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 27.08.1891
 

Obersalzberg Pension Moritz d. 27 Aug. 1891.
Lieber Levi,
daß ich Sie gestern nicht gesehen, hat mich wahrhaft betrübt. Ein unglücklicher Zufall wollte, daß ich die Nacht nicht geschlafen hatte und mich mit der Hoffnung, etwas nachschlafen zu können, hingelegt hatte, und Marie hatte am Morgen einen großen Spatziergang gemacht, und sich auch aufs Bett gelegt, war also nicht angekleidet.
Sie kennen ja übrigens diese meine Gewohnheit von Alters her – Ich kann mir nicht denken, daß Sie heraufkamen, mich zu besuchen, denn dann hätten Sie doch thelegraphirt. Da hätten wir dann zusammen essen können, und ich hätte vor Tisch etwas geschlafen, um nach Tisch noch ein Plauderstündchen mit Ihnen zu haben.
Sie ließen aber Marie nicht einmal sagen, daß Sie gleich wieder hinunter müßten, dann hätte sie mich doch geweckt.
Wir erfuhren dies erst, als Sie längst fort waren.
Wie kann man ahnden, daß Sie, bei dieser Hitze noch dazu, für eine Stunde nur heraufkommen würden, umsoweniger, als wir ja gar nicht einmal wußten, daß Sie in Reichenhall sind.
Doch genug – es war nicht freundschaftlich und kaum glaublich erschien es mir.
Für Ihre Bemühung an Perfall zu schreiben3 danke ich Ihnen, und wünsche Ihnen guten Erfolg der Cur.
Ihre
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Obersalzberg Pension Moritz
  Empfänger: Levi, Hermann (941)
  Empfangsort:
  SBE: II.5, S. 910f.
 



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