19.12.2019

Briefe



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ID: 11188 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 29.05.1879
 

Frkfurt a/m d. 29 Mai 1879
Liebste Frau Berna
mit welch reicher Sendung, Natur und Kunst im Verein, haben Sie [uns] überrascht. Tausend Dank für Alles Entzückende! wie lieb von Ihnen, daß Sie unserer sogar in der weiten Ferne gedachten! ach aber, ich bin doch recht betrübt, daß ich Sie nicht sehen kann. Seit Wochen schon sagte ich immer zu den Kindern, ich hoffe, Sie würden zu Pfingsten wieder in Büdesheim sein, und uns dann vielleicht einladen. So dachte ich, aber der Himmel lenkte es anders. Marie liegt noch fest zu Bett, erst heute ist das Knie ein wenig besser, aber an Aufstehen nicht zu denken. Hinzu kommt, daß der Doctor sehr darauf dringt, daß ich nach Kiel zur Cur gehe, da ich aber allein dahin reise und dort bei Litzmann’s nur im Juni Aufnahme finden kann weil sie Ende Juni nach Reval reisen, so muß ich jetzt eilen, will vorher auch noch Frl. Leser ein paar Tage besuchen, und habe den 31 Mai (Uebermorgen) zur Abreise bestimmt.
Thäten mir nicht die Kinder gar zu leid, wenn ich allein zu Ihnen ginge (f. einen Tag) so hätte ich meine Abreise auf den 2t Juni verschoben, aber das brächte ich doch nicht übers Herz! Anders ist es, wenn ich nach Düsseld. gehe, dahin hätten sie mich ja keinesfalls begleitet. Ich wollte die Feiertage hier bleiben, aber die Kinder bitten so sehr, daß ich keine Zeit mehr versäumen soll – ich glaube, Marie ist ruhiger wenn ich fort bin, auch Eugenie ruht sich mehr aus. Nicht wahr, liebe Frau Berna, Sie erlauben den Kindern zu Ihnen zu kommen, so bald Marie wieder so weit ist? sie thäten mir gar zu leid, würden sie nicht für das Entbehren jetzt schadlos gehalten! – Ich leide schrecklich für Marie, so im Bett liegen zu müssen, wenn man sich eigentlich gesund fühlt ist eine Geduldsprobe.
Nun nochmals Dank für all das Herrliche (ich werde die nächsten 2 Tage nur von Gurkensallat leben)! Gehen Sie wirklich Mitte Juni schon nach Franzensbad?
Die Kinder schreiben selbst Ihren Dank.
Ihrer lieben Tante herzlichen Gruß, und Betty. Ach ich bin recht traurig, daß ich Sie nun, wer weiß, wie lange, nicht sehe.
In alter, treuer Gesinnung Ihre Clara Schumann.
Von Elise hatte ich gute Nachrichten, sie sind ja nun im neuen noch viel schöneren Hause! sie schreibt sie käme im Nov. – ich glaube es nicht.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
494f.
 



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