19.12.2019

Briefe



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ID: 11319 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 22.06.1880
 

Frkf. a/M d. 22 Juni 1880.

Lieber Joachim,

was soll man da machen mit den Metronoms? die sind in manchen Stücken nicht richtig, und ich fing ’mal an zu ändern, aber das ging auch nicht! heute war das Tempo recht, morgen wieder nicht! Brahms war nun der Ansicht das Unternehmen aufzugeben, und im Anhange, der der Gesamtausgabe doch wegen mancher zweifelhafter Sachen beigegeben werden muß, wegen der verschiedenen falschen Metronoms eine Erklärung zu geben. Ich habe daher nun auch alle diese Bezeichnungen in den bereits erschienenen Werken stehen lassen. Ich sah sofort das Exemplar der Quartette, welches mein <> Mann selbst hat binden lassen, nach, und fand nur eine Correctur, u. zwar im 1ten Quartett 1ter Satz, Allegro, statt M. M. q [sic] = 69, – h . = 60. Das ist aber Alles! Glauben Sie nicht, daß man sich doch nach der gestochenen Vorlage richten muß? Daß er sie corrigirt, glaube ich annehmen zu können. Was nun das più lento im As dur Satz betrifft, so glaube ich doch, wir müssen es stehen lassen, denn sonst hätte mein Mann es doch schon corrigirt. Es geht mir mit der Coda eigen, ich kann es vertragen etwas belebter, auch etwas langsamer, glaube aber doch mich zu erinnern, daß mein Mann es langsamer spielen ließ. Wie gesagt, es hat mir immer sehr gefallen wie Sie es spielten, aber, Brahms behauptet stets, man dürfe derartiges nicht ändern. – Haben Sie Dank, lieber Joachim, für die Mühe der Sie sich unterziehen. Zugleich bitte ich aber für noch ein Werk später, das ist die Violin - Phantasie, die Niemand kennt, wie Sie. Sollten Sie sich in den Sonaten mit Viol etwa einiger Fehler, oder auch in den Trio’s Quartett, Quintett, erinnern, bitte, lassen Sie sie mich wissen – ich danke Ihnen sehr dafür. Wir wollen etwa 7–8 July hier fort, nach Oberammergau erst, dann Süd-Tyrol, der Sommer verlockt freilich noch wenig, aber die Nerven rühren sich gewaltig nach dem Winter mit all seinen Anforderungen. Leben Sie wohl, und nochmals herzlichsten Dank
von Ihrer
alt ergebenen
Cl. Sch.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
1208f.
 



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