15.07.2019

Briefe



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ID: 11365 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 28.11.1880
 

Frankfurt a/m d. 28 Nov. 80
Meine liebe Frau Berna,
nur mein Armleiden, das jetzt in Folge des Concertes in Stuttg. wieder schlimmer war, konnte mich verhindern Ihnen auf Ihren lieben Brief sofort zu antworten. Dictiren mochte ich nicht in einer Angelegenheit, wo das Herz einen so großen Antheil hat, wie hier! – Ich ahnte die Sache ja längst, war jedoch darum nicht weniger überrascht, als endlich Ihr Entschluß mir kund wurde. Sie wissen, wie sehr wir Alle es wünschten, daß Sie sich wieder verheirathen möchten, und so haben wir nur den einen Wunsch, daß Ihre Wahl recht zu Ihrem Glücke sein möge, und, mit diesem [Wunsche] drücke ich Ihnen in wärmster Zuneigung die Hand. Daß Sie nie mit uns darüber sprachen, that mir freilich innig leid, weil ich immer glaubte, es habe sich von dem Vertrauen, was Sie zu Elise hatten, auch ein kleiner Theil mit auf mich übertragen, doch zürne ich Ihnen, meine liebe Frau Berna, darum nicht – es läßt sich ja eben in Gefühlssachen nicht rechten. Schrecklich traurig macht mich aber der Gedanke, daß Sie nun lange von Büdesheim fort bleiben, vielleicht nie mehr ganz dahin zurückkehren!? ich hörte darüber verschiedentlich sprechen, und kann mich mit dem Gedanken, Sie dort nicht mehr zu wissen, gar nicht zurecht finden. Ich sah Sie ja selten, aber ich wußte Sie dort, wo ja auch ein Stück Heimath meiner Elise war, wo ihr die treueste Freundin lebte! –
Wir erfahren wohl von Betty noch Näheres, damit wir an Ihrem hohen Festtage mit Geist und Herz bei Ihnen sein können.
Wir hatten jetzt schwere Tage – gestern wurde nach vielem Hin u. Herconsultiren und überlegen Ferdinand nach Berlin transportirt. Er sehnte sich so sehr nach den Seinigen, und, da der Arzt fürchtete, er werde den ganzen Winter so daliegen, so entschloß er sich plötzlich zu der Reise das milde Wetter benutzend. Heute sind wir alle Drei recht angegriffen, überhaupt aber von der ganzen Zeit! – Werden wir denn später zuweilen von Ihnen hören? bitte, liebe Frau Berna, vergessen Sie uns nicht ganz, die wir Ihnen mit wahrhaft treuem Herzen anhängen.
Wollen Sie Ihrem Bräutigam meinen herzlichsten Glückwunsch aussprechen, und etwas lieb behalten
Ihre
alt ergebene
Clara Schumann.

An Betty meinen herzlichen Gruß.
Marie u Eug. schreiben selbst – sie sind Beide von den letzten Tagen recht angegriffen.
Von Herzen danke ich Ihnen auch für Ihr Interesse an meiner Schüler Angelegenheit, über deren glücklichen Ausgang ich herzlich erfreut bin, und wofür ich Ihnen noch besonders die Hand drücke.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 507f.
 



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