19.12.2019

Briefe



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ID: 11446 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 14.09.1881
 

Baden-Baden d. 14 Septbr 1881.
Liebe, gute Frau Gräfin,
wie lieb haben Sie mich überrascht durch Ihre herzlichen Zeilen und die reizenden Geschenke! wie freut mich das Täschchen an dem Sie selbst gearbeitet haben und wie wunderbar schön ist der Leuchter! ich freue mich schon darauf ihn auf meinem Schreibtische täglich zu sehen, und das Täschchen soll mich immer in die Concerte begleiten, wo ich stets ein solches für allerlei Nöthiges, (Eau de Cologne, Handschuh ect.) gebrauche. Lassen Sie mich Ihnen in innigster Dankbarkeit für Alles, auch die herrlichen Rosen, die ganz frisch noch ankamen, die Hand drücken. Es war mir recht weh um’s Herz unsre Elise, stets bei uns, auf dem Meer schwimmend zu wissen, und war es überhaupt recht eine Täuschung daß die früheren schönen Pläne so umgestoßen wurden, das Ende hätte so viel schöner sein können, auch wäre dann Elise eine Woche noch bei Ihnen gewesen! Nun, man muß sich eben fügen und dankbar sein für Das, was man gehabt hat. Sie hatten freilich wenig, und, was uns vor allem aber innig leid thut, ist, daß Sie immer liegen müssen. Ist es Blutverlust, der Sie an’s Lager zwingt? ich habe diesen Zustand auch einmal 5 Wochen lang gehabt, alle nur erdenklichen scharfen Mittel gebraucht, und schließlich halfen mir, wogegen ich und der Arzt uns die ganze Zeit gedrängt hatten, doch nur kalte Sitzbäder,[die mir eine Freundin dringend empfahl.] nach Zweien war ich die ganze Sache los! ob nicht auch Ihnen solche helfen könnten? ich nahm das erste Bad überschlagen das Zweite kalt und dann zur Befestigung der Wiederherstellung noch Zweie.
Gern werden [wir] Sie besuchen, sagen Sie uns nur, wenn es Ihnen paßt – ich kann es am Sonnabend oder Sonntag immer einrichten. Wie Vieles haben wir zu plaudern! Leider haben wir so unbeständiges Wetter, daß wir doch wohl bald zurückkehren, ich denke am 17 oder 18ten wieder in Frkf. zu sein.
Marie und Eugenie grüßen Sie herzlichst – die lieben Kinder, welch ein Glück sind sie Beide für mich, könnte ich sie nur glücklicher machen. Meine oft trübe Gemüthsstimmung macht ihnen das Leben manchmal recht schwer, und ich kämpfe wahrhaft dagegen, aber, der Mensch ist so schwach! –
Leben Sie wohl, grüßen Sie Ihren lieben Mann, und, seyen Sie in wärmster Gesinnung umarmt von
Ihrer
alten
Clara Schumann.

[Umschlag]
Frau Gräfin
Marie Oriola.
in
Hofgut Büdesheim
bei
Heldenbergen
in
Hessen.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 12
Briefwechsel Clara Schumanns mit Landgräfin Anna von Hessen, Marie von Oriola und anderen Angehörigen deutscher Adelshäuser / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2015
ISBN: 978-3-86846-023-0
518f.
 



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