15.07.2019

Briefe



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ID: 11578 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 16.08.1882
 

Degenbalm d. 16 Aug 1882
Liebste Marie
gestern ist mein Brief an Sie fort, und heute erhalte ich Ihren lieben langen Gruß, für den ich Ihnen herzlichst danke. Was mich heute gleich wieder zu Ihnen führt ist die Schulangelegenheit, und da wollte ich Sie bitten, doch ja zu Niemand von meiner Empfindlichkeit zu sprechen. Ich frug Brahms, auch Bendemann um ihre Meinung, und Beide geben mir unrecht, sie sagen, ich habe als Lehrerin keinen besonderen Anspruch zu verlangen, daß mit mir berathen werde. Ich beruhigte mich insoweit darüber, als auch Diese meinten, es sey ja nur angenehm für mich, wenn ich nichts damit zu thuen habe, und, das ist ja wahr. Ich schrieb nun in Betreff meines Contractes an Mumm, und bat ihn, ehe der neue Director komme, einen Anhang, enthaltend die Bewilligung einiger meiner Wünsche darin zu machen; es waren Dinge die Raff mir versprochen hatte, die aber nicht im Contract stehen, und die ich geordnet wünschte. Ich erwähnte nichts von der Neuwahl, er aber schrieb sehr freundlich, und theilte mir mit daß er privatim an Wüllner geschrieben und um dessen Rath gebeten habe, daß er eigentlich aber auf Wüllner selbst reflectire. Neulich sagte mir auch Ladenburg, daß die Herren geäußert hätten, sie wollen sich mit der Neuwahl Zeit nehmen – das Alles mildert die Sache mir gegenüber, und es ist gewiß das Klügste, ich lasse mir nichts von Empfindlichkeit merken [wenn ich auch noch nicht die Ueberzeugung meines Unrechts habe – nett war es nicht von den Herren kein Wort mit mir darüber zu sprechen – meine Stellung ist doch eine Andere] Also, bitte, nicht darüber zu sprechen. Käme Wüllner, so wäre mir das schon recht, ein ernster Künstler und er und sie gebildete, feine Menschen!
Also so hätten wir doch Hoffnung Ihnen noch Adieu persönlich sagen zu können, wie freut uns das! – Ich wollte, wir wären erst wieder zu Haus! das Herumreisen ist doch schrecklich, dabei alle Augenblicke Regentage wo man in den elenden, jedes Comforts entbehrenden Zimmern sitzt und friert. Wir hatten es aber sehr schön, und das haben wir auch genossen. – Mit Betty und Mrs Deverel irren Sie wenn Sie annehmen, daß ihr Verhältniß gestört sey, Betty war vom Anfang an nur für ein Jahr engagirt, und dieses geht mit Octbr. herum, aber ihr Verhältniß ist so freundschaftlich, wie es nur sein kann – Mrs Deverel hatte ja auch so sehr gewünscht, daß Betty sie nach Franzensbad begleite, das ist ja schon Beweis für ihre Gesinnung für Betty.
Doch nun noch herzlichste Grüße Ihnen Beiden, und nochmals Dank für den schönen Brief. –
Ihre altgetreue
Clara Schumann.

Sie schrieben mir am Tage Clara (12) 11t Aurora, 13t Eusebius – mein Mann freute sich immer daß Aurora uns verbunden!
Elise hat Ihnen wie mir Mrs Deverel sagte geschrieben, ich hoffe, sie hat wieder gut gemacht!

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Degenbalm
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 530ff.
 



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