15.07.2019

Briefe



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ID: 11846 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 02.08.1884
 

Vordereck bei Berchtesgaden Pension Moritz d. 2ten Aug 84.
Meine liebe Marie,
ein Wort der Freude muß ich Ihnen über die guten Nachrichten sagen, die wir durch Elise erfuhren – gern hörte ich Diese auch ’mal von Ihnen selbst durch ein paar Worte bestädtigt! – Gott sei Dank, daß Sie auf so entschieden gutem Wege sind, und wir hoffen dürfen Sie im Herbst ganz genesen wieder zu sehen. Von uns kann ich Ihnen leider noch nicht so Gutes sagen, Marie kann noch immer nicht gehen, d. h. nicht spatzieren gehen, und mein Gesichtsschmerz kommt immer wieder. Nach einer Morphium-Einspritzung blieben die Schmerzen 14 Tage aus, dann kamen sie aber wieder, und zu einer zweiten entschloß ich mich noch nicht, da mir die erste einen furchtbaren Tag bereitet hatte – Erbrechen unausgesetzt von Morgens bis Abends. Eugenie, obgleich auch noch nicht sehr gekräfftigt, ist jetzt doch die Gesündeste. –
Wir haben überdies viel durchgemacht, Ferdinands Frau immer mit Rückfällen ihrer Krankheit kämpfend, dazu das jüngste Kind an der Brechruhr 5 Tage mit dem Tode ringend, schließlich durchgekommen, aber mit Aufopferung aller ihrer Kräffte und noch immer großer Sorgen voll. Ferdinand während deß in Wiesbaden zur Cur – jetzt am Ende derselben; sie hat ihm gut gethan, aber an seine gänzliche Herstellung glaube ich nicht. Anstatt nun Nachkur zu halten, geht er nach Berlin, besorgt einen Umzug, u. tritt wieder in’s Geschäft. All mein Bitten hilft nichts, Mendelssohn hat ihm Urlaub gegeben, so viel er braucht, um sich ganz herzustellen – er ist aber nicht zu bewegen. Sie sehen, liebe Marie, daß es gar nicht sonnig bei uns aussieht. Ich bin nur froh, daß ich ein Pianino hier habe, und täglich üben und arbeiten kann. Drei Stunden in der Woche habe ich festgesetzt, wo meine Bekannten, wenn sie Lust haben, kommen und zuhören können. Es sind Verschiedene hier: Pauline Guaita, Hauk’s, Mein Bruder mit Frau u. A. Nächste Woche wird meine Schwester aus Berlin für 10 Tage herauf kommen, so giebt es immer Abwechslung! –
Ihr lieber Mann hat doch meine Einzahlung erhalten? ist er ab und zu bei Ihnen? grüßen Sie ihn herzlich. Elise schreibt eben, sie sind sehr befriedigt von Magglingen, hatten aber wieder einen Schreck mit Clara, die plötzlich einen Tag Nesselfieber hatte, aber nur in Folge von Naschen v. Beeren.
Wir bleiben wohl bis zur letzten Woche des Aug. wollen dann noch etwas hinab nach Berchtesgaden.
Nehmen Sie wärmsten Händedruck, liebe gute Marie. Der Himmel lasse Sie bald ganz genesen.
Ihre alte Clara Schumann

Die Töchter grüßen sehr.
Grüßen Sie Frl. Leissler von uns schönstens.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Vordereck
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 565ff.
 



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