19.12.2019

Briefe



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ID: 11953 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 16.07.1885
 

Wildbad Gastein d. 16 Juli 1885

Liebstes Lisl,

ist es mir je schwer geworden der Stimme der Vernunft zu folgen so war es gestern u. heute auf Ihren lieben Brief. Der war, um Steine zu erweichen, und doch mußte ich ein „Nein“ thelegraphiren. Mariens Brief hatten Sie noch nicht gehabt, wo sie Ihnen schrieb, daß ich eigentlich schon recht unwohl hierher kam; in Folge dessen habe ich nun mehrmals die Bäder aussetzen müssen, und, wollte ich am 22ten fort, so hätte ich 10 bis 11 Bäder genommen, während die kleinste Cur doch 20 ist. Ich darf immer nur ein um den anderen Tag baden, kann also, bleibe ich bis zum 1ten Aug. doch nur eine kleine Cur machen. Nun habe ich aber noch zwei Vorschläge, und zwar, ich will am 1ten Aug. kommen, und eine Woche (bis 8ten) unten bleiben, vorausgesetzt, daß ich dann die Zimmer bei Grösswang haben kann, u. daß es Hildebrand möglich ist das Relief in einer Woche zu machen, oder, was noch besser für mich wäre, ich komme in den letzten <>Tagen Augusts herunter, H. kann vielleicht auch noch ein paar Tage im Septbr. zugeben? <s> Das Letztere wäre jedenfalls das Beste für mich, weil ich dann doch eine Nachcur von 3 Wochen in der hohen Luft gemacht hätte, und mit mehr Widerstandsfähigkeit käme, als ich sie jetzt haben würde, auch Ende Aug. nicht mehr solche Hitze riskire, wie jetzt. Liebste, thuen Sie was Sie können den verehrten Hildebrand zu bewegen, und, schreiben Sie mir sofort darüber, denn Sie können wohl denken, daß ich in großer Spannung bis zu Ihrer Antwort lebe. Wegen der finanziellen Frage, machen Sie sich, Liebe, keine Sorge, Sie können es mir ja später noch sagen. Ich meine, ich müßte Ihnen noch Vieles sagen, so voll ist mir das Herz, doch, Sie können sich ja Alles denken. –
Noch Eines für den Fall, H. geht auf einen der Vorschläge ein: Sie schrieben mir <die> von Zimmern im I Stock, heute aber erwähnen<> Sie nur die im 2ten Stock? ich wohne nicht so gern 2ten als ersten, fürchte mich des Nachts, wenn ich hoch wohne. Sie lachen mich wohl aus, nicht wahr? Der 2te Stock wäre übrigens kein Hinderniß, ich erwähne es nur.
Nun seyen Sie abermals Fürsprecherin, Liebe, Gute, grüßen Sie den theueren Mann und sagen Sie H. daß er mir nicht zürnen möge ob des vielen Hin und Her, was sonst gewiß nicht meine Art ist. –
Getreu und hoffend Ihre alte Cl. Sch.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Wildbad Gastein
  Empfänger: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
595f.
 



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