19.12.2019

Briefe



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ID: 11979 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 13.07.1887
 

Franzensbad1 d. 13ten July 1887. Loimann’s Badehaus.

Liebste Lisl,

nur einmal ein directes Wort, bitte, senden Sie mir per Correspondenzcarte von München aus, wo Sie leider wieder einen Arzt consultiren müssen! sagen Sie mir, was Sie beginnen – ich denke so viel an Sie Armen. Leider hörte ich von Ferdinand, daß Sie nicht zufrieden mit der Cur sind! werden wir uns denn in Obersalzberg sehen? ich habe solch große Sehnsucht nach Ihnen, und die arme Marie, die sich so gefreut hatte, Sie bei ihrem Besuche in Teplitz zu sehen, ist ganz betrübt eben von Ferdinand zu hören, daß Sie schon am 15ten reisen. Sie kömmt zu Ferdinands am 16ten Geburtstag nach Teplitz für einen Tag, um den Armen doch einmal zu sehen – es ist immerhin eine lange Reise von hier – Stunden. Ja mein armer Sohn, das ist eine traurige Sache, und kein glückliches Ende abzusehen! Gott sey Dank haben wir seine zwei Aeltesten in sehr gute Obhuth gebracht, und schon scheinen Diese sich behaglich in Schneeberg zu <>fühlen. Julie haben wir jetzt auch in ein Institut in Frkf. gebracht, wo sie schon in die Schule immer ging. Es geht bei uns im Hause für ein erwachsendes Mädchen nicht mehr gut, auch ist doch Eugenie zu viel leidend ect. ect. ect. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen f. Ihren lieben Brief gedankt? ich habe zu viel in meinem armen Kopfe! die Sorgen drücken mich fast zu Boden. Ich habe, seit ich von England kam, eine einzige ungetrübte Stunde Genusses gefeiert, das war, als ich mir einen Abend Viol u Violonc holte, u. Brahms Cmoll Trio spielte – da habe ich geschwelgt. Welche Tiefe, welche Leidenschaft, Träumerei, Anmuth, Alles, Alles, ist da drinnen! Brahms war jetzt ein paar Tage vor dem Fest in Cöln bei uns, u. hat uns Alles gespielt, war in guter Stimmung. Mit der Oper ist nichts mehr! – Eugenie geht Ende d. M. nach Mayen bei Sitten mit Fillu, dort hofft sie viel von der Luft. Gebe der Himmel ihr Genesung, der Katharr weicht immer noch nicht.
Nun leben Sie, Lieben, Guten, wohl, glückliche Reise auf Wiedersehen<> in<> der Liselei am 7 oder 8ten Aug.! – Ihre alte treue Clara Schumann

Ich weiß Ihre jetzige Adresse nicht, hoffe durch die Alte erreiche ich Sie auch!

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Franzensbad
  Empfänger: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
654ff.
 



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