15.07.2019

Briefe



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ID: 12190 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 01.09.1887
 

Meine liebe Elise, noch einen Gruß will ich dir von hier schicken - Sonnabend wollen wir hinab! solche einen Sommer haben wir hier aber noch nicht gehabt, aber das viele Erlebte und die schweren Sorgen drücken doch auf uns - es wollte kein heiterer Ton in unser Leben kommen - [...] Wir hatten keine Bekannten, das fehlte uns doch. Wir waren oft so einsam, besonders des Abends. [...] Aber schön ist es doch hier oben wie nirgends und wieder recht klar wurde es mir, daß ich keine anderen Orte aufsuchen muß. Ferdinand ist 14 Tage in Schneeberg gewesen. Jetzt ist er in Blankenberg und der erste Brief lautete sehr kläglich, es scheint sehr schlechte Wirthschaft in dem Hause zu sein etc. Ich habe diese Tage wieder eine solche Correspondenz mit ihm gehabt, daß mein Armt es kaum verträgt. [...] Er schreibt, er sey so viel als möglich im Zimmer, das Sitzen draußen langweile ihn! Darüber habe ich ihn sehr zur Rede gestellt! er in seinem Zustand sollte mit jedem Sonnenstrahl geitzen, man bringt für Luftgenuß für ihn große Opfer, u. dann setzt er sich den ganzen Tag in die Stube. Nun kann er auch keinen Wärter haben, als ein paar Stunden Abends, u. den braucht er so nöthig! [...] Und nun leb wohl meine liebe Elise! hänge der Trauer nicht zu viel nach, raffe Dich auf, wo es möglich, der ernste Wille verleiht auch die Krafft, und die Lebenden verlangen ihr Recht, das ist nun einmal so in der Welt. Den Kindern unsere Küsse (Marie schreibt selbst) und Dich und Louis treu umarmend
Deine alte
Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Obersalzberg
  Empfänger: Sommerhoff, Elise, geb. Schumann, Elise (3154)
  Empfangsort:
 



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