15.07.2019

Briefe



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ID: 12387 Brieftext


Geschrieben am: Montag 07.01.1889
 

Frankf. d. 7. Jan.

Meine gute, liebe Emma!
Meine innigen Wünsche für das neue Jahr hast du bereits erhalten, ich kann es mir aber doch nicht versagen, Dir für das alte, liebe Kalenderchen u. für den lieben Brief mit dem zarten Zweiglein zu danken. Du kannst Dir denken, wie viel ich in dieser Zeit zu schreiben habe, u. wie wenig Zeit dazu. Zudem kommt Brahms heute für eine Woche, wo ich dann ganz ausschließlich durch ihn u. seine Musik in Anspruch genommen bin. Es ist gut, daß mal wieder Etwas kommt, was Eine<m>n auf Stunden über das misère des Lebens erhebt – von diesem könnte ich Dir viel erzählen, wozu aber? Es muß doch jeder seine Last tragen u. nur die, die mit Einem leben, können Einem helfen tragen u. kämpfen.
Welche Freude ich haben würde, Dich in Leipzig zu sehen, brauche ich Dir nicht zu sagen; ich habe dort für den 7. März zugesagt.
Der Tod von Enole Mendelssohn hat mich tief erschüttert, noch immer denke ich fortwährend daran, besonders in den schlaflosen Nächten, durch die ich sehr leide. Es war für den 23. Jan. ein Concert von Joachim u. mir in Berlin festgesetzt; wie es damit werden wird, weiß ich noch nicht; es will mir gar nicht zu Sinn – ich warte auf Joachims Nachricht.
So leb’ denn wohl für heute, meine theure Emma, hab’ nochmals Dank für alle Deine Liebe von
Deiner
alten treuen
Clara.

[Umschlag]
Frau Emma Preusser.
Dresden.
28. Luttichaustrasse.
p.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Preußer, Emma (1204)
  Empfangsort: Dresden
  SBE: II.15, S. 336ff.
 



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