19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 12406 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 21.09.1888
 

Baden-Baden d. 21 Septbr. 88.

Liebstes Lisl,

nun sind Sie wohl schon in Nizza angelangt – ach, wie fern uns gerückt! möchten wir nur bald hören, daß Sie glücklich angelangt sind, und sich an der Luft Ihr<em> lieber Patient wirklich erquickt! Woldemar erzählte mir viel von Ihnen, und, das war doch immerhin mehr, als Briefe sein können. Er hat große Freude gehabt, mit Ihnen öfter zu verkehren. Nun haben Sie aber Dank, Liebste, für Ihre guten Wünsche, und das reizende Döschen, das ich viel benutzen werde. Daß Sie noch am letzten Tage vor so großer Reise, an mich dachten, war gar freundlich von Ihnen, aber, schenken sollten Sie mir nie etwas, Sie haben so Vieles auf sich, und wissen, daß ich solches nicht <b> erwarte, und daß es dieser Zeichen Ihrer Freundschaft nicht bedarf. Die Photographien waren mir schon eine herzliche Freude, und danke ich Ihrer verehrten Frau Mutter, daß <S> sie Ihnen eine solche von sich für mich gab. Ich finde sie ähnlich, aber nicht so interressant, als es Ihre Mama ist, auch nicht so anmuthig – die Ihrige scheint mir gelungener. Welch ein glücklicher Zufall führte die arme Frau Röntjen auch nach Nizza! grüßen Sie sie doch ja, u. sagen Sie ihr, wie theilnemend ich ihrer und ihres Mannes gedenke. Wie hart ist eine solche Trennung! man darf aber doch auf Genesung hoffen? oft wenn solche Kranke früh genug nach dem Süden gehen, werden sie ganz gesund wieder. Ich habe an die Achtzig Briefe bekommen, daher muß ich diesen wohl abkürzen, so gern ich auch noch plauderte. So nehmen Sie denn alle heißen Wünsche für den theueren Mann, für Sie, die liebe, verehrte Mama, von uns Dreien. Ich bitte dringend um eine Karte ab und zu – ich weiß ja wie Viele dies beanspruchen, kann aber trotzdem nicht bescheiden sein in solchem Falle.
In alter Treue
Ihre
Clara Schumann.

Marie und Eugenie senden herzlichste Grüße ebenfalls. Woldemar ist mit Clement. in Heidelberg. Wir haben noch viel über Letztere gesprochen – ich habe ihm sehr zugeredet zu einer Unterredung mit dem Bandagisten in Goeppingen.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden - Baden
  Empfänger: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
700ff.
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.