19.12.2019

Briefe



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ID: 12439 Brieftext


Geschrieben am: Dienstag 21.04.1891
 

Frankfurt a/M d. 21 April 91,

Liebstes Lisl,

ach, ich bin so traurig über Ihre Karte! wohl hatte ich den lieben langen Brief bekommen, aber nicht Zeit wieder ordentlich zu schreiben! Daß Ihnen meine Karte ein Vorwurf erschien, thut mir leid, es war ja rein nur der Wunsch über Ihre Gesundheit zu hören. Gehen Sie nur ja nicht wieder an die See, die ist für Herz-Leidende oft so gefährlich! die Tochter einer lieben Freundin von mir in München war zwei Mal an der See, u. hat jetzt auch an Herzleiden 3 Monate schon gelegen. Ist denn die liebe Mama bei Ihnen? ach, wie innig beklage ich Sie arme Dulderin – ich kann mir ja denken, was es für Sie ist, so still sich halten zu müssen mit Ihrem beweglichen Geiste. Da darf ich nun eigentlich von mir gar nicht sprechen, ich fühle mich aber doch recht elend, der ganze Körper vom Husten wie zerschlagen, der Husten selbst wohl besser, aber auch noch Rheumatismus, daß ich kaum vom Stuhl aufstehen kann. Wir gehen nun am 2 Mai nach Baden, dort soll ich einen Monat die Cur gebrauchen, dann kehre ich hierher zurück für den Juni bis Mitte July, und gehen dann, wills Gott, gleich auf den Obersalzberg, und blicken wieder sehnsüchtig nach der Liselei hin! Ach, die Zeiten werden nicht schöner! Ich hatte vorgestern vom Bord des Schiffes Brief von Eugenie, die bereits nach Malta abgesegelt war. Die Fillu können Sie jetzt wohl nicht erreichen, später werden Sie ihre Adr. durch Eugenie erfahren können. Jetzt haben Sie wohl den lieben Joachim wieder in Berlin zu etwas dauerndem Bleiben! – Gewiß wird er Ihnen dann oft vorspielen – Bach! Könnte ich Sie ’mal sprechen, nur ein Stündchen! unser Leben ist ein so bewegtes, durch meine Enkel besonders, wie gern schüttete ich einmal das sorgenvolle Herz in Ihr liebes theilnehmendes! brieflich ist es gar zu armselig was man sagen kann.
Leben Sie wohl, Sie liebe Freundin. Schreiben Sie keine Briefe jetzt, nur ab und zu eine Postcarte Ihrer warm ergebenen Clara Sch.

Dem theueren Manne Herzlichstes, Ihnen Beiden auch von Marie. Vom 2ten Mai an Adresse in Baden-Baden 6 Luisenstr. I Stock.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Herzogenberg, Elisabeth von (691)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
751f.
 



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