19.12.2019

Briefe



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ID: 12453 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 06.09.1893
 

Interlaken d. 6 Septbr 93

Lieber Herzogenberg,

mit traurigem Gemüthe setze ich mich zur Beantwortung Ihres so lieben Briefes! Der Arzt will nicht daß ich den Rückweg über Heiden mache, weil das, rauher als Interlaken, kein guter Uebergang zu Frankf. sein würde. Er sagt, es sei im Herbst dort oft sehr stürmisch, viel Wind, den ich gar nicht vertrage, und räth mir, lieber auf dem Wege in die Schweiz, also im Sommer, über Heiden zu gehen! So muß ich es denn zu meiner Betrübniß bis nächsten Sommer etwa in der letzten Woche des Juni verschieben, <>aber, wer weiß, ob ich nächstes Jahr noch reisen kann! auch geht es dann vielleicht nicht so gut bei Ihnen, wie jetzt! –
Wir haben uns nun entschlossen am 15 oder 16ten noch, für 8–10 Tage nach Baden-Baden zu gehen, wo es keine rauhen Winde giebt, aber auch keinen so lieben Freund! – Von hier giebt es nichts besonderes zu sagen, es ist, wie immer herrlich, aber, ich sehne mich nun doch wieder nach Arbeit, wenn sie auch beschänkter jetzt ist, als früher. Sagen Sie Frl. Hauptmann, daß es mich herzlich freut, daß sie nicht über mein Ansinnen erschrocken ist, denn, gleich so drei Gäste auf einmal, das ist keine kleine Sache. Ich lasse den Gedanken nicht fallen – wills Gott, sehen wir Sie im Sommer (etwa Ende Juni) in Heiden! –
Vielen Dank, lieber Freund, und mögen Sie den letzten Monat in Heiden noch recht begünstigt vom Wetter sein.
Grüßen Sie Frl Hauptmann und die liebe Frau von Holstein! –
Die Kinder grüßen Beide herzlich und danken mit mir
Ihrer
warm ergebenen
Clara Schumann.

Auch an die Familie Spitta meinen angelegentlichen Gruß! –

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Interlaken
  Empfänger: Herzogenberg, Heinrich (2428)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 803f.
 



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