19.12.2019

Briefe



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ID: 12455 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 11.02.1894
 

Berlin W. 62. Kurfürstendamm 141

Verehrteste Liebe Frau Schumann!

Nun wird’s Ernst: Montag den 19. Febr. landen wir um 9 Uhr früh in Frankfurt, wo wir bis Dienstag 20. Febr Morgens 8 Uhr bleiben. Die Abreisezeit ist so unbequem früh, dass es – glaube ich – praktischer wäre, Ihre gar so liebe Einladung Helenen’s auf ein andermal aufzusparen (wie die Kinder den besten Happen zu unterst legen!), und selbander in eines dieser kleinen netten neuen Hotel’s am Bahnhof zu gehen. Nennen Sie mir bitte eines derselben, und lassen Sie mir dorthin sagen, wann wir Sie aufsuchen dürfen. Ich will in der Eile die alte Stadt Helenen zeigen und womöglich auch das allerliebste Kindlein im grünen Sessel (von Rubens) also werden wir Sie nicht allzusehr belagern und Sie brauchen nicht aus Mitleid mit den Heimatlosen Ihre gewohnte Tageseintheilung zu verändern. Wie freue ich mich aber auf einige liebe gute Stündlein bei Ihnen, liebe Frau Schumann! Dann kann ich Ihnen auch vom Adventlied von Schumann erzählen, das ich am 18. mit meiner kleinen aber wackeren „Musikalischen Gesellschaft“ aufführe, ich glaube wohl zum ersten Mal in Berlin! Ich thu’s aber nicht, um mich bei Ihnen einzuschmeicheln, denn ich habe eine wahre Freude an dieser innigen Poesie, und fühle mich um 30 Jahre verjüngt. Rudorff ist wieder zurück aber hält sich ganz in Lichterfelde; es soll ihm im Ganzen recht gut gehen, nur darf er absolut nicht arbeiten.
Herzlichen Gruss an Frl Marie, und Ihnen unseren ergebensten Handkuss!
Ihr
Herzogenberg

11. Fbr 94

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Herzogenberg, Heinrich (2428)
  Empfangsort:
  SBE: II.15, S. 810f.
 



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