19.12.2019

Briefe



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ID: 12463 Brieftext


Geschrieben am: Freitag 28.02.1896
 

Frankfurt a/M d. 28 Febr. 96

Lieber Freund,

das ist ja eine reizende Idee von Ihnen mit unserem Zusammenhausen! ein wahres Götterleben, was Sie uns da eröffnen. Aber ach, da packt uns gleich die Prosa mit tausend Scrupeln, und hin ist das Luftschloß! Haben Sie Dank, lieber bester Freund, es ist so rührend gut von Ihnen, und wieder trage ich den Gedanken, ’mal einige Tage Ihr reizendes „Home“ zu theilen. Mündlich besprechen wir das hier, wenn Sie mit der lieben Freundin kommen, aber, ich bitte, daß Sie uns ein paar Tage schenken, nur müßte Frl Helene Fürlieb mit einem wenig eleganten Zimmerchen im 2ten Stock nehmen. So ein Tag, wie Sie ihn sich hier vorgenommen, ist ja eine wahre Strapatze. Ach nein, schenken Sie uns einige ruhige Stunden, (in Absätzen, weil ich lange Unterhaltung hintereinander nicht gut vertrage), es bleibt Ihnen dann Zeit Alles mit Muße zu besichtigen. Bieten können wir Ihnen ja freilich nur wenig, Mariens fast 4 monatliche Krankheit, und ebenso mein dauerndes Unwohlseyn, hat uns sehr still leben lassen, und noch vertrage ich nicht viel Geselligkeit, aber mit dem herannahenden Frühjahr kommt Muth und Kraft wieder. Der Zeitpunct Ihres Kommens würde auch so gut passen für uns, was z. B. Ostern nicht der Fall wäre, wo Eugenie kommt, und ich Sie dann nicht bei mir logieren könnte, was mir gerade so viel Freude macht, so gemüthlich ist! – Alles Weitere verspare ich mir nun bis mündlich. Dank für Ihren lieben Brief und herzlichste Grüße Ihnen u. Ihrer lieben Freundin, auch von Marie, die wieder ganz wohl ist.
Getreu
Ihre
Clara Schumann

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Herzogenberg, Heinrich Freiherr von (692)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 15
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit den Familien Voigt, Preußer, Herzogenberg und anderen Korrespondenten in Leipzig / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Annegret Rosenmüller, Ekaterina Smyka / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2016
ISBN: 978-3-86846-026-1
824f.
 



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