19.12.2019

Briefe



Rückwärts
	
ID: 12468 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 14.09.1895
 

Frankfurt, 17. 11. 94.
„… Vor allem nun will ich Ihnen erzählen, daß Brahms 5 Tage hier war, und auch Einige Joachim. Im Museum (man hatte erfahren, daß Brahms zugegen sein würde) gab es einen Brahms-Abend; Joachim spielte dessen Concert, außerdem kam die C-moll-Symphonie, die Haydn’schen Variationen etc. zur Aufführung. Am Schluß wurde Brahms der neben mir saß, enthu- siastisch auf’s Podium gerufen. Er war eigentlich gekommen, um Joachim und mir mit Mühlfeld seine zwei neuen Sonaten für Clavier und Clarinette vorzuspielen.
Wir hatten die Freude, sie vier Mal zu hören. Mir freilich wurde sie nur stellenweise zu Theil, nur die einfachsten Combina- tionen konnte ich verfolgen, sobald komplicirte Harmonien kamen, hörte ich nur ein Chaos. Sie können denken, daß mich dies wieder sehr traurig machte. So viel weiß ich aber, daß es wieder Meister- werke sind, und, wenn ich sie erst selbst studirt werde ich sie ganz kennen lernen. (Sie sind noch nicht gedruckt.) Brahms war guter Laune und sehr liebenswürdig in zwei Gesellschaften, eine bei Sommerhoffs und eine bei mir, wo ich alle die Musiker eingeladen hatte. Ich spielte auch, ein Trio von Mozart mit Bratsche und Clarinette und Roberts Phantasiestücke mit Clarinette. Brahms wohnte wie immer bei uns und hatte natürlich die theure Marie viel zu schaffen. Joachim gab noch ein Quartett, das ich aber nicht hörte, um mir die Qualen zu ersparen – es machte mir aber doch Herzweh, zu Haus zu bleiben …“

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Interlaken
  Empfänger: Leser, Rosalie (938)
  Empfangsort:
 



Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten (Mehr Informationen).
Wenn Sie auf unserer Seite weitersurfen, stimmen Sie bitte der Cookie-Nutzung zu. Ich stimme zu.