15.07.2019

Briefe



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ID: 12494 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 07.09.1889
 

Baden-Baden, den 7. September 1889.
37 Sophienstraße.

Lieber Johannes,

die Aussicht, Dich hier zu sehen, freut mich herzlich, aber, bitte, verlege den Zeitpunkt um einige Tage. Es trifft sich nämlich insofern am 15. ungünstig, als Marie an dem Tage oder am 16. morgens nach Frankfurt zurückgeht, und ich mit Eugenien dann zu Sommerhoffs ins Park-Hotel ziehe; diese kommen zum 13. und bleiben längere Zeit hier, ich dann mit ihnen noch bis zum 28. d. M. Kämst Du nun am 15., so träfst Du uns im Umzugstrubel, dazu in der ersten Betrübnis der Trennung von Marie, die uns hier härter ankömmt, als wäre sie an einem anderen Orte - sie geht in das Joch der Haus-Misere, wir leben hier in Zaubern der Natur!!! - Herzogenbergs würdest Du schon am 15. nicht mehr treffen, sie reisen den 14. ab. Möglicherweise ist Woldemar noch hier, der zum 13. kömmt. Ich bitte Dich also, richte Dich für ein paar Tage später ein, ich denke, vom 17. an sind wir wieder ganz in aller Behaglichkeit.

Leider bummeln hier keine Joachims und Hausmänner, man kann nicht einmal eine Sonate mit einem oder dem anderen spielen! Wie sollte da an das Trio zu denken sein? Damit hast Du uns alle sehr überrascht - mir kommt es immer noch ganz unglaublich vor, und noch kann ich die Vermutung nicht loswerden, daß Du einen Scherz gemacht, und uns ein neues Trio in Hdur als Op. 108 schenkest. Auf alle Fälle sind wir sehr gespannt darauf. Engelmanns, die zwei Tage bei Herzogenbergs waren, hörten mit größtem Interesse davon, wie Du denken kannst. Ihr Besuch hat uns alle sehr gefreut - es war höchst gemütlich - sie sind so prächtige Menschen!

Wir sind schon seit 14 Tagen hier, haben uns ein Privatlogis genommen, das ich ungern noch mit einem anderen vertausche, aber Sommerhoffs wohnen so weit fort von uns (es ist das Haus, wo Flemmings früher gewohnt, vis-à-vis der früher Viardotschen Villa), und das ist gar so unbequem. Diese Woche kommt Herr Burnand mit 2 Nichten aus England, das gibt eine unruhige Woche, ich freue mich aber, ihn wiederzusehen.

Laß mich, bitte, wissen, was Du beschließest? Schöne Tage wirst Du jetzt verleben, wie musikalisch interessant wird es da zugehen - ach, könnte ich Deinen Chören nur lauschen, und wie schön werden sie Dich feiern!

Schreib mir also eine Korrespondenzkarte, was Du beschließest. Immer Deine alte, jetzt recht

alte

Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Baden-Baden
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort: Hamburg
 



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