19.12.2019

Briefe



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ID: 12537 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 28.12.1889
 

Frankfurt a/M d. 28 Dec. 1889,
Meine geliebte Lida,
was soll ich Ihnen sagen, alle Worte sind so arm für den Schmerz, der Sie getroffen, und Jeden, dem der theuere Verstorbene näher stand. Ach, ich habe jetzt nur den Gedanken, wie werden Sie es tragen! welche Vereinsamung für Sie meine theuerste Lida. Könnte ich Ihnen doch nur Etwas sein, Ihnen durch Etwas meine Liebe beweisen, Ihnen Stütze sein, ach aber, ich bin ja selbst so alt, und bedarf selbst der Stütze! Wollten Sie mich haben, ich käme gleich ein paar Tage, aber Marie sagt, Sie hätten jetzt doch sicher Ihren Felix und Schwiegertöchter um sich, die Ihnen näher stehen – in Liebe aber sicher nicht! – Nun ist Einer der edelsten Menschen von uns gegangen! ich kann es gar nicht fassen, meine Liebe; der Himmel gebe nur daß Ihre Gesundheit ausdauere – Ihre Seelenkraft thut es gewiß.
Daß ich Ihn noch gesehen und so heiter und frisch im Leben wie in der Kunst, und, daß Er, der Geliebte und Verehrte, nicht viel gelitten, das ist mir ein Trost.
Ich bin bei Ihnen, geliebte Lida, mit meinem ganzen Herzen! der Himmel schütze Sie!
Ihre alte Clara.

Die Kinder schreiben selbst, sie sind tief erschüttert.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Bendemann, Lida (176)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 6
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Eduard Bendemann, Julius Hübner, Johann Peter Lyser und anderen Dresdner Künstlern / Editionsleitung: Thomas Synofzik, Michael Heinemann / Herausgeber: Renate Brunner, Michael Heinemann, Irmgard Knechtges-Obrecht, Klaus Martin Kopitz und Annegret Rosenmüller / Köln: Verlag Dohr / Erschienen: 2014
ISBN: 978-3-86846-017-9
393f.
 



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