15.07.2019

Briefe



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ID: 12559 Brieftext


Geschrieben am: Samstag 08.03.1890
 

Frankfurt a/M d. 8 März 90.
Liebste Marie
ein halbes Briefchen an Sie hatte ich fertig, wurde durch Schmerzen am Beenden gehindert, da kam heute nach Tisch Ihre liebe Carte, die meine Fragen beantwortete. Nun schreibe ich jetzt Abends nur ein Dankeswort für die wunderbaren Veilchen, und für Ihre neulichen Nachrichten. Sie können denken, wie wir die Wahlberichte studiert haben, und nun immer noch auf die letzte Entscheidung warteten. Wie leid ist es uns zu hören, daß Ihres lieben Mannes Wunsch sich nicht erfüllt hat; wie bitter ist das, nach so vielen Mühen, Monaten ungemüthlichen Lebens für Sie Beide! Ich freute mich aber aus Ihren Zeilen entnehmen zu können, daß Sie vorläufig in dem herrlichen Büdesheim bleiben, und wir doch hoffen dürfen, Sie bald wieder zu sehen. Leider bin ich wieder recht unwohl, aber nicht an Influenza, sondern an einem ziemlichen Unterleibsleiden, das mich immer, wenn es kommt (zum Glück hatte ich es bisher nur in Zeiträumen von mehreren Jahren) fast zur Verzweiflung bringt. Ich liege schon seit ein paar Tagen, darum entschuldigen Sie auch diese krakliche Schrifft.
Mögen Sie die Ruhe recht ungetrübt jetzt genießen, und uns bald die Freude werden Sie, Liebe, zu sehen.
In alter treuer
Gesinnung
Ihre
Clara Schumann.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Oriola, Marie von, geb. Christ, verh. Berna (2699)
  Empfangsort:
  SBE: II.12, S. 603f.
 



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