19.12.2019

Briefe



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ID: 12594 Brieftext


Geschrieben am: Montag 08.06.1891
 

Frankf. d. 8 Juni 1891.

Liebster Joachim,

ich habe Ihnen die sehr traurige Nachricht mitzutheilen, daß mein Ferdinand vorgestern sanft, aber nach vielen Leiden, verschieden ist. Der Tod war für ihn eine Erlösung, denn die Aerzte constatiren, daß er ferner nur noch auf das elendeste hätte existiren können, da seine Organe von den narcotischen Mitteln gänzlich ruinirt waren. So bleibt uns denn noch der eine Sohn, den wir als lebendig begraben betrachten müssen. – Das ist ein schweres Schicksal. Aber, ich sage mir, daß ich dem Himmel doch viel zu danken habe für die lieben theuren Töchter, die mir wirklich wie Schutzgeister zur Seite stehen, und mir in der Erziehung der Kinder Ferdinands eine große Stütze sind, wenn sie auch freilich die pecuniären Sorgen nicht bannen können. Nun, es ging bis hierher, und der Himmel wird uns weiter helfen. Heute vor ’nem Jahr waren Sie bei uns, lieber, theuerer Joachim, daran denke ich mit wärmstem Danke. Alle guten Wünsche für Sie und Ihre Kinder von

Ihrer alten
Clara Schumann.


  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
1422f.
 



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