15.07.2019

Briefe



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ID: 12737 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 02.04.1891
 

Frankfurt a/M d. 2 April 91.

Meine gute, liebe Emma,

ich wollte Dir nicht mit nur einer Karte danken, kam aber vor vieler nöthiger Arbeit nicht zum Brief schreiben. Hab Dank, Du Liebe, für Deine Ueberraschung – ich hatte meine 2 Enkel in den Ferien hier, die denn tüchtig auf den Kuchen losgingen. Der Aelteste der Beiden kommt jetzt in unserer Nähe als Lehrling in eine Apotheke. Wir haben Freude an dem Jungen, der sich sehr nett entwickelt hat, dem man die gute Erziehung, die er in Schneeberg genossen, anmerkt, dabei ist er ein wahrhaft schöner Mensch – hat Augen, denen kein Mensch wiederstehen kann – wie Sonnenschein. Merkwürdig, zwei Brüder; der Eine so hübsch, der Andere so wenig. Recht traurig ist das für den armen Jungen.
Mir geht es gar nicht gut, ich schleppe mich jetzt schon 4 Wochen mit argem Husten und Schnupfen herum, darf, da wir alle Tage Wind haben, gar nicht hinaus, und entbehre viel an der Luft. Welch ein Winter ist Dieser – entsetzlich! –
Eugenie ist nach England um ihre Freundin, die Fillunger, zu sehen, ehe sie für 6 Monate nach Australien mit Hallé u Neruda geht. Eug. bleibt 4 Wochen fort – ich entbehre sie sehr, wenngleich unsere sehr verschiedenen Naturen sich oft hart aneinander reiben. Die Liebe trägt Einen eben doch durch Alles! –
Leb wohl nochmals Dank meine theuere Emma, sey mit den lieben Deinen gegrüßt in treuer Liebe von Deiner Clara.

Komm doch mit uns a. d. ital Seen im Mai? Wir möchten dahin aber nur mit Jemand, den wir lieb haben.

[Umschlag]
Frau
Emma Preußer
Dresden.
28, Lüttichaustraße.
Parterre.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Preußer, Emma (1204)
  Empfangsort: Dresden
  SBE: II.15, S. 345f.
 



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