19.12.2019

Briefe



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ID: 12886 Brieftext


Geschrieben am: Donnerstag 05.01.1893
 

Frankfurt a/M d 5ten Jan. 93.

Lieber Joachim,

mit herzlicher Freude haben wir gehört, daß Ihr lieber Sohn wieder in’s Militair eingetreten ist, und Sie somit einer großen Sorge enthoben sind. Das Neue Jahr hat gut für Sie begonnen, möge es so bleiben. Von uns kann ich Ihnen auch so weit Gutes sagen, nur laborire ich augenblicklich an einer starken Erkältung, daher ich auch nicht selbst schreiben kann. Sie haben neulich mit Herrn Urspruch eine Sonate von ihm selbst gespielt, und jedenfalls daraus ersehen, daß er kein Zukunftsmusiker ist. Nun will aber das Unglück daß er in Berlin unter den Musikern als solcher gilt, was ihm großen Kummer macht. Er möchte nämlich den Professortitel erlangen, was für sein Fortkommen von großem Gewicht ist, hat sich deshalb an das Kultusministerium gewandt, aber nichts erreicht, da die maaßgebenden Musiker gegen ihn gestimmt haben aus obigen Gründen. – Er bat mich flehentlich Ihnen zu schreiben, wenn etwa bei Ihnen nach ihm gefragt würde, die Leute über ihn aufzuklären, und, als tüchtigen ernsten Musiker können Sie ihn ja wohl empfehlen! Also bitte, sprechen Sie für ihn. Sie haben ja so großen Einfluß. – Nun seien Sie herzlichst gegrüßt und nehmen Sie mit allen Ihren Lieben wärmste Wünsche von
Ihrer
getreuen
Clara Sch.

Eugenie verläßt uns übermorgen wieder.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Joachim, Joseph (773)
  Empfangsort:
  Schumann-Briefedition: Serie: II / Band: 2
Briefwechsel Robert und Clara Schumanns mit Joseph Joachim und seiner Familie / Editionsleitung: Thomas Synofzik und Michael Heinemann / Herausgeber: Klaus Martin Kopitz / Dohr / Erschienen: 2019
ISBN: 978-3-86846-013-1
1451f.
 



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