15.07.2019

Briefe



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ID: 12968 Brieftext


Geschrieben am: Montag 16.01.1893
 

Frankfurt a/M d. 16 Jan. 93,
Liebe Mathilde,
da Sie lesen dürfen sende ich Ihnen einige directe Zeilen. Ich brauche Ihnen wohl kaum zu sagen wie innig betrübt ich bin Sie leidend und die liebe Malwine sorgend zu wissen. Gott sey Dank, daß Sie kein Fieber haben! Aber welche Geduldsprobe ist so eine Krankheit, und wie werden Sie sich sorgen wegen Ihrer Verpflichtungen. Aber, thuen Sie dies nicht zu viel – denken Sie, welche lange Zeit Sie thätig waren, nie unterbrochen. Wäre es nur nicht so entsetzlich kalt, das hält doch jede Krankheit auf!
Von mir kann ich Ihnen doch Besseres sagen, der Husten nimmt ab, aber an Ausgehen ist nicht zu denken, und das Kopfleiden ist recht peinigend jetzt, wahrscheinlich durch die Erkältung vermehrt. Gott sei Dank habe ich vollständig Ruhe, sobald ich unterrichte oder selbst spiele, was ziemlich regelmäßig geschieht. Viel spiele ich die Brahm’schen [sic] neuen Stücke, die mich ganz erfüllen.
Eugenie ist nun wieder von uns gegangen – es wurde ihr schwerer als das erste Mal.
Wie schrecklich ist es doch, wenn man so entfernt von Einander lebt, in Zeiten der Prüfung den Freunden Nichts sein zu können!
Nur denken kann ich an Sie Beide und den Himmel um baldige Besserung flehen [sic].
Leben Sie wohl, liebe Beiden.
Mit dem ganzen Herzen bei Ihnen Ihre
Clara Schumann.
Julchen grüßt sehr.
Von Marie alles Liebe. Wir sprechen viel von Ihnen.

[Umschlag]
Fraeulein
Mathilde Wendt.
Berlin.
173, alte Jacob-
straße.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Wendt, Mathilde (1688)
  Empfangsort:
  SBE: II.14, S. 301f.
 



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