15.07.2019

Briefe



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ID: 12973 Brieftext


Geschrieben am: Mittwoch 25.01.1893
 

Frankfurt a./M., den 25. Januar 1893.

Lieber Johannes,

mit Freude, aber auch Kummer, erwarte ich Dich - Kummer, weil Du mich, zwar wohler als vorm Jahre, aber doch nicht so rüstig wie früher wiederfindest. Besonders wirkt das fortwährende Dröhnen in meinem Kopfe oft auf meine Stimmung, die meist recht gedrückt ist. Trotzdem würde es mich aber betrüben, wolltest Du im Hotel wohnen, und ich bitte Dich herzlich, nimm, wie früher, fürlieb bei uns. Übrigens bin ich wohl genug, um Besuch bei mir zu sehen, und Du brauchst also kein Bedenken zu haben.

Ich spiele jetzt viel das Quintett von Dir à 4/m., und immer wächst meine Sehnsucht, dieses himmlische Werk mit Mühlfeld zu hören. Jetzt kenne ich es so genau, daß ich vieles doch hören würde, richtig nämlich! Marie ist meine Begleiterin und genießt mit mir die Wonne.

So denn bis auf weiteres mündlich. Du sendest mir doch wohl noch eine Postkarte.

Eugenie findest Du nicht - es wird ihr sehr leid sein, und Du wirst es ohne sie noch stiller finden als sonst.

Mit herzlichstem Gruße von uns beiden

Deine alte

Clara.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Brahms, Johannes (246)
  Empfangsort:
 



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