19.12.2019

Briefe



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ID: 12998 Brieftext


Geschrieben am: Sonntag 04.06.1893
 

Frankfurt a/M d. 4 Juni 93
Liebe, verehrte Lady Thompson,
merkwürdig, ich war gestern am Schreiben nach Cheltenham, da kam Ihr lieber Brief, und ich konnte, Ihrem Wunsche gemäß, sofort an Miss Neruda, die jetzt noch die Lehrerin dort ist, |2| über Miss Gilloch schreiben. Sie haben mir aber deren Adresse nicht mitgetheilt, und ich schrieb, Miss Beale möge an Sie adreßieren, wenn sie sich mit Miss Gill. in Verbindung setzen wolle. Wie würde es mich freuen bekäme Miss Gilloch die Stelle – Wenn sie nur persönlich etwas einnehmender, liebenswürdiger wäre! – Der |3| Kampf des Lebens scheint so schwer auf ihr zu lasten, daß keine Freudigkeit in ihr aufkommt. Die Welt will aber von unseren Kämpfen nichts wissen! welch ein herrliches Beispiel sind Sie, liebe, verehrte Freundin, an Selbst-Beherrschung, das eigne schwere Leid verschließend in sich, das Herz offen der Menschheit. |4| Sie müßen mir solchen Erguß schon manchmal erlauben, schlägt mein Herz doch immer so lebhaft bei dem Gedanken an Sie, so bewundernd.
Ich bin so ziemlich wohl, und kann doch arbeiten, was gröster Segen für mich ist. –
Marie grüßt Sie, liebste Lady Thompson aufs herzlichste mit mir Ihrer getreuen Clara Schumann.
[am linken Rand] Es wäre wohl gut, Miss Beale die Adr: des Frl Gill. zu schicken.

  Absender: Schumann, Clara, geb Wieck, Clara (3179)
  Absendeort: Frankfurt am Main
  Empfänger: Thompson, Kate, geb. Loder (1584)
  Empfangsort:
 



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